Warum ich manchmal ohne Honorar schreibe

Bevorzugt schreibe ich zurzeit kurze Geschichten für Kinder im Bilderbuch-Format. Das sind 3000-4000 Zeichen aufgeteilt auf 24 Seiten. Nicht immer passen diese Geschichten in ein Verlagsprogramm, nicht immer treffen sie den Geschmack der Lektorinnen und manchmal sind sie auch einfach nicht gut genug. Ok, aber jetzt ist eine Geschichte fertig, ich finde sie gelungen, aber niemand will sie haben. Einsam digitalisiert sie in irgendeiner abgelegenen Datei meines Rechners vor sich hin, strebt dem Vergessen werden entgegen und niemand kann sie lesen. Das ist schade, schließlich steckt Arbeit drin, eine, zwei oder mehrere Wochen, oder wie auch immer.

Das fand ich unbefriedigend. Schließlich will man als Anfängerautor bekannt werden und das geht eben nur, wenn man auch gelesen wird. Warum, fragte ich mich, verschenke ich die Geschichten nicht einfach?

Gesagt getan. Ich machte mich auf die Suche nach Zeitungen, die für Familien mit Kindern gemacht werden, und stieß auf die Familienmagazine, die in vielen großen Städten erscheinen. Diese Zeitungen haben immer einen ausführlichen Veranstaltungsteil, sind deshalb also immer 1-2 Monate aktuell. Honorare werden dort nicht gezahlt, aber der Werbeeffekt ist enorm.

Das Kitz-Magazin in München erscheint alle zwei Monate in einer Auflage von 70.000. Jede Ausgabe wird im Schnitt von 2,3 Personen gelesen. (161.000 mögliche Leser/-innen!!!) Die Herausgeber fanden meine Idee gut und stellten mir eine Seite zu Verfügung: Vorlesezeit mit Rüdiger Paulsen.

Seit Herbst 2013 erscheint in jeder Ausgabe eine Geschichte von mir. Bisher konnte ich 15 Geschichten veröffentlichen. Alle Rechte bleiben bei mir. (Falls doch noch ein Verlag auftaucht). Ich glaube, eine kostengünstigere Marketing-Plattform wird man kaum finden. Magazine in Hannover und Berlin zogen nach, wenn auch nicht so regelmäßig wie München.

Also liebe Kinderbuchautor/-innen, wenn ihr Geschichten habt, die in euren Schubladen schlummern – einen Versuch ist es wert. Die Bezahlung erfolgt eben anders, in Form von: Bekannter werden!

Außerdem bekomme ich in jeder Ausgabe kostenlos einen kleinen Platz, wo ich auf meine neusten Projekte hinweisen kann: neues Pixi erschienen oder jetzt gerade mein erstes E-Book. Auch das ist ein nicht zu unterschätzender Werbeeffekt. Ich bin gespannt, wie sich das auf mein E-Book auswirkt, und werde später darüber berichten.

Geld ist nicht alles. Verschenken lohnt sich.

Geld ist nicht alles. Verschenken lohnt sich.

Mein erstes E-Book

Im Laufe der letzten 2 Jahre haben sich sehr viele Geschichten angesammelt, die ich in keinem Verlag unterbringen konnte. Also dachte ich: Bevor die in meinem Rechner verschimmeln, mache ich ein E-Book daraus. Leider hatte ich keinen blassen Schimmer, wie man sowas macht. Auf der Leipziger Buchmesse bin ich dann auf die Firma: Zeilenwert GmbH – Schwarzburger Chaussee 74 – 07407 Rudolstadt getroffen. Ich wurde gut beraten und betreut und das ist das Ergebnis:

ebook cover Paulsen

Mein erstes E-Book

Ab heute, 27. November 2014 steht das Büchlein auf vielen Plattformen im Internet zum Download bereit. z.B. hier: http://tinyurl.com/pxqvdx7

Weil mich viele Self-Publishing Bücher, die ich mir angesehen und teilweise auch gelesen habe, ziemlich schockiert haben (selbstgebastelte Cover, schlecht oder gar nicht lektoriert, naja und über viele Texte mag ich lieber nichts sagen), habe ich versucht, es besser zu machen. Cover professionell gestaltet von Susanne Kinski, die so etwas kann, weil sie es gelernt hat. Vernünftiges Lektorat. Dafür zeichnet Julia Rosenkranz verantwortlich, die als freie Lektorin arbeitet und auch schon einige meiner Pixi Bücher beim Carlsen Verlag lektoriert hat.

Ob die Downloads das Geld wieder einspielen, das ich investiert habe? Keine Ahnung, aber ich hoffe es.

Ich finde, Self-Publisher tragen auch eine gewisse Verantwortung sich selbst, den Leser/-innen und der gesamten Branche gegenüber. Bücher müssen, genau wie alle anderen Dinge, die von anderen Menschen gekauft werden sollen, professionell gemacht sein und zwar in allen Bereichen. Wenn die Autoren noch am Anfang stehen, darf man noch keine Meisterwerke erwarten, wohl aber eine gewisse Sorgfalt, sowie die Bereitschaft, sich mit dem Handwerk des Schreibens auseinanderzusetzen.

So sehe ich das!

So sehe ich das!

So sehe ich das!

Über Rezensionen und Rückmeldungen freue ich mich.

Zur Selbstkritik

Die Selbstkritik

Die Selbstkritik hat viel für sich,
gesetzt den Fall, ich tadle mich.
So hab ich erstens den Gewinn,
dass ich so hübsch bescheiden bin.

Zum zweiten denken sich die Leut,
der Mann ist lauter Redlichkeit.
Auch schnapp ich, drittens, diesen Bissen
vorweg den andren Kritiküssen.

Und viertes hoff ich ausserdem,
auf Widerspruch, der mir genehm.
So kommt es denn zuletzt heraus,
das ich ein ganz famoses Haus.

(Wilhelm Busch)

Rü-19.11.14-1

Ich mag dieses Zeilen!
Wie ich allerdings selbst mit diesem Thema umgehe, darüber demnächst mehr.

Meine Pixi Bücher

Seit Herbst 2011 schreibe ich Pixi Bücher für den Carlsen Verlag. Bisher wurden fünf veröffentlicht. Im Frühjahr 2015 erscheinen: Eine Piratengeschichte, eine Rittergeschichte und eine Indianergeschichte. Im Dezember 2015 eine Weihnachtsgeschichte und wahrscheinlich eine weitere Weihnachtsgeschichte im Pixi Adventskalender.

Hier mal ein kleiner Überblick:

Unser Weihnachtsbaum

Pixi Buch – Serie W28 – Nr. 1983
Carlsen Verlag Hamburg
www.carlsen.de/pixi/

M

Sehr schön illustriert von Astrid Henn

1. Auflage September 2013
2. Auflage November 2013


Freistoß für Frieda

Maxi Pixi – Nr. 153
Carlsen Verlag Hamburg
ISBN 978-3-551-04653-6
http://www.carlsen.de/suche?k=Rüdiger+Paulsen

M

Das Buch ist wunderschön illustriert von Daniel Kratzke

Maxi Pixis haben eine eigene ISBN Nummer und können somit separat im Handel oder Internet bestellt werden.

Amazon


Der faule Osterhase
Pixi Buch – Serie 221 – Nr. 2006
Carlsen Verlag Hamburg
www.carlsen.de/pixi/

M

Illustriert von Eleonore Gerhaher


Die Urwaldschule

Pixi Buch – Serie 223 – Nr.2022
Carlsen Verlag Hamburg
www.carlsen.de/pixi/

Cover Urwaldschule

Illustriert von Laura Bischoff


Serafina Königstochter
Pixi Buch – Serie 224 – Nr.2032
Carlsen Verlag Hamburg
www.carlsen.de/pixi/

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Illustriert von Fariba Gholizadeh


Geschichten für Pixi zu schreiben ist nicht nur ein großer Genuss, es ist auch eine hervorragende Schulung, sich kurz zu fassen, das Wesentliche einer Geschichte herauszuarbeiten und dabei den Blick auf die Illustrierbarkeit nicht zu verlieren. Es macht immer viel Freude, mit professionellen Illustrator/-innen zusammenzuarbeiten. Als Autor hat man natürlich wenig Möglichkeiten in die Bildgestaltung einzugreifen (vielleicht dann, wenn man mal Starautor ist), aber das Wissen, dass die eigene Geschichte von Könner/-innen ihres Fachs umgesetzt werden, ist sehr beruhigend.

Ach ja, falls das hier von anderen Verlagen gelesen wird: Ich habe mittlerweile einen großen Fundus an schönen Bilderbuchgeschichten, die ich gerne verkaufe. Nicht als Mini-Softcover-Buch, aber alle Geschichten eignen sich ebensogut als Papp-Bilderbuch oder ähnliche Formate. Gerne schreibe ich auch zu gewünschten Themen. Ich bin schnell, diszipliniert und kann mit Kritik umgehen. Nur zu! Am besten sofort anrufen: 05203 919152 oder mailen: info@theaterbuero-paulsen.de

 

Plot, Protagonisten, Schauplätze und ich

21.15 Uhr

Heute mal ein kleiner Einblick in meine Schreibabenteuer

Darüber, wie ein guter Plot entwickelt wird, ist schon einiges geschrieben worden. Es gibt diverse Möglichkeiten und jeder bevorzugt eine andere Herangehensweise. Ich habe einen Weg gefunden, über den ich gerne etwas erzähle. Das soll aber nicht heißen, dass das der Weg wäre. Es ist zurzeit mein Weg. Der Weg, den ich augenblicklich gehe. Was morgen ist …?

Ich musste feststellen, dass es mich langweilt, alles immer schon im Voraus zu wissen. Das Erfinden einer Geschichte empfinde ich als pures Abenteuer, eine aufregende Reise ins Unbekannte.
Ich denke mir eine Figur aus, lasse ihr Haus abbrennen und schicke sie in die Welt, neugierig, was passieren wird.
Dann skizziere ich weitere Protagonisten, (mehr oder weniger detailliert – sie wachsen und entwickeln sich im Laufe der Zeit). Das ist wichtig und notwendig, damit sie unverwechselbar werden, Typen eben. Wenn ich gute Ideen habe, entstehen sie vorm Schreiben genauer, aber manchmal muss ich sie erst eine Weile agieren sehen und mir darüber klar werden, was für Typen ich da über die Seiten jage.

Ich erschaffe ein Umfeld, indem sie sich bewegen, leben, einander begegnen etc. Auch das lege ich vorher nicht exakt fest.

Eine meiner Hauptfiguren in dem Buch, an dem ich gerade arbeite, ist eine pfiffige Spitzmaus, die in einer alten Mauer wohnt. (Weitere Handelnde: Hausmaus, Wühlmaus, Feldmaus, Wanderratte, Hamster, drei Fledermäuse – die Nagerbande). Neben einem geräumigen Wohnraum, der gleichzeitig als Zentrale der Bande dient, gibt es eine Küche, ein Labor, eine Werkstatt, einen Trainingsraum usw. Diese Räumlichkeiten entwickle ich detaillierter, wenn eine Scene darin spielt. Erstens, weil es mir Arbeit im Vorfeld erspart (ich weiß ja noch nicht, was da passieren wird), zweitens, weil ich sie so immer weiter ausbauen und verändern kann, angepasst an die sich ergebenden Notwendigkeiten. So entsteht die Architektur der Mauerhöhle nach und nach. Ich baue einen Schauplatz, der sich ständig weiterentwickelt und mitunter wunderbare Überraschungen bereithält. Es tauchen auf: Geheimgänge, Fluchttunnel, eine raffinierte Entlüftungsanlage, ein komfortables Badezimmer, eine Lümmelecke, ein geheimnisvoller Keller, eine Einflugklappe für gefiederte Freunde usw.
Natürlich ist die Höhle irgendwann fertig, aber solange sich Dinge einbauen lassen, ohne dass es unglaubwürdig wirkt, mache ich das. Mir alles vorher zu überlegen, würde meinen Schreib- und Ideenfluss hemmen.

Soweit, so gut.

Dann kommen Probleme und Konflikte, Aufgaben, die bewältigt werden wollen, gepaart mit den Wünschen Einzelner, die sie antreiben.
Die Gruppe hat Problem A zu lösen. Dazu muss sie von Punkt X nach Punkt Z reisen. Eine schwierige, gefährliche Unternehmung. Ich schließe mich meinen kleinen Helden an, gehe mit. Ich kann, ich will im Vorfeld nicht wissen, was ihnen passiert. Ich lege auch die Konflikte nicht fest, die auftauchen.
Sie müssen unwegsames, offenes Gelände überwinden (Gefahr von Greifvögeln, Hunden, Katzen etc.), einen Wald durchqueren, über ein Gewässer setzen und ich bin mittendrin. Ein ungeheuer großes Vergnügen, besonders dann, wenn Situationen entstehen, mit denen ich nicht mal im Traum gerechnet habe.
Die Gruppe übernachtet an einem See. Einer hält Wache, während die anderen schlafen. Ein Fuchs taucht auf. Können fünf kleine Nagetiere gegen einen Fuchs bestehen? Sie können!
Solche Kampfscenen muss ich später stark zusammenstreichen, weil sie sonst fast eine eigene Geschichte bilden, bzw. zu sehr ausufern.
Schließlich erreicht die Truppe ihr vorläufiges Ziel: Punkt Z. Hier will eine Aufgabe erledigt werden. Wie machen sie das? Beim Start der Unternehmung hatte ich noch keinen blassen Schimmer, aber ich gehe jetzt wieder genauso vor. Sie erkunden das Gelände und zack: Konflikt, Konflikt, Konflikt! Sie entwickeln Pläne, räumen Hindernisse aus dem Weg, müssen Rückschläge wegstecken, scheitern, unternehmen einen erneuten Versuch, scheitern abermals, bekommen Unterstützung usw.

So zu schreiben, so in das Geschehen einzutauchen, verschafft mir einen Genuss, den ich schwerlich in Worte fassen kann. Stecke ich drin, versuche ich jeden Tag das Abenteuer voranzutreiben, finde kaum ein Ende.

Interessanterweise denke ich nicht mehr über die Geschichte nach, wenn ich den Schreibtag beende, plane nichts, entwickle keine weiteren Ideen. Die kommen erst wieder, wenn`s weitergeht.

Am interessantesten wird es, sobald sich meine Protagonisten selbstständig machen und ein Eigenleben entwickeln – und das tun sie oft. Im zweiten Teil dieses Artikels etwas mehr dazu: http://www.ruedigerpaulsen.de/was-erfaehrt-man-auf-diesem-blog/

Oft höre ich, das viele Autor/-innen zuerst ein Exposé anfertigen, bevor sie mit der Story beginnen. Sie haben dann eine Linie, an der sie sich entlangschreiben können.
Das funktioniert bei mir nicht. Wie auch?
Ist die Geschichte fertig, schreibe ich natürlich ein Expose, aber dazu ein andermal mehr.

 

Mittendrin

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