Hjorth und Rosenfeldt und was Autor/-innen von ihnen lernen können

Mit Begeisterung habe ich in den letzten Wochen die Krimis von Hjorth und Rosenfeldt gelesen.
Zugegeben, der Hauptprotagonist Sebastian Bergmann ist ein ziemlich widerliches Scheusal, gleichzeitig aber auch ein armes Schwein und man schwankt beim Lesen zwischen einem Ungläubigen: «Das kann doch nicht sein» und «Mein Gott ist das ein armer Sack».
Aber das allein ist es natürlich nicht, was die, wie ich finde, unglaublich gute Qualität dieser Bücher ausmacht.

Ich versuche mal, einen kurzen Überblick zu erstellen, warum ich denke, dass diese Romane ein exzellentes Lehrstück dafür sind, wie gute, spannende Geschichten aussehen können.

Alles sehr subjektiv, klar. Aber vielleicht ist es für den Einen oder die Andere trotzdem nützlich,

Erinnern wir uns, was einen guten Roman ausmacht:

1. glaubwürdige Protagonisten, mit denen man mitfühlen kann, die sich dem Leser ins Herz bohren, die eine Entwicklung durchlaufen, die permanent mit Problemen/Aufgaben konfrontiert werden, die sie lösen/bewältigen müssen.
2. Ein interessanter, spannender Plot, der nicht von vorneherein zu durchschauen ist, der immer wieder Überraschungsmomente aufweist, der verschiedene Spannungshöhepunkte hat, der in jeder Beziehung stimmig ist und der ein Ende, eine Auflösung präsentiert, die man so nicht erwartet hat.
3. Ideen, die es in dieser Form noch nicht gab.
4. Entwicklung und Beschreibung der Romanwelt, die es erlaubt hineinzutauchen, mit dem Gefühl, das alles passt.
5. Gute Dialoge, die die Handlung nach vorne bringen und nie langweilen.
6. Nichts Überflüssiges schreiben. Eleminieren, was nicht dem Fortgang der Geschichte dient.
7. Die Wahl und das Durchhalten der richtigen Erzählperspektive.
8. Die Handwerkzeuge des Schreibens beherrschen.
9. Gute Cliffhänger

Ich weiß, dass es noch weitere Kriterien gibt, aber das soll erst mal reichen, um aufzuzeigen, wie Hjorth und Rosenfeldt arbeiten.

Die Protagonisten:

Sebastian Bergmann – Kriminalpsychologe und Profiler
Die Reichsmordkommission:
Torkel Höglund – Chef
Ursula (mir fällt gerade der Nachname nicht ein) – Tatortspezialistin/Spurensicherung
Vanja Lithner – Ermittlerin
Billy Rosen – Ermittler/Recherche- und Computerexperte

Alle Protagonisten sind erstklassig komponiert. Alle haben neben dem eigentlichen Fall, den es zu bearbeiten gibt, einen ziemlichen Berg an persönlichen Problemen zu bewältigen. Das geht von den Leichen im eigenen Keller bis hin zu den unterschiedlichsten Beziehungen die sie untereinander haben.

Auch die Personen im engeren Umfeld der Hauptprotagonisten (Ehepartner, Ex-Partner, Familienangehörige, Freunde etc.) spielen oft eine wesentliche Rolle, weil sie so gut skizziert sind, dass sie dazu beitragen, den Hauptcharakteren noch mehr Profil zu geben, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen oder die Handlung zu unübersichtlich zu machen.

Ähnliches gilt für Nebenpersonen der Handlung, die zum Teil in mehreren Romanen auftauchen, nicht wesentlich zur Lösung des Falles beitragen, aber trotzdem wichtig und bedeutsam sind. Nicht zuletzt deshalb, weil man sich als Leser/-in vergnüglich an ihnen erfreuen kann.

Auch die Antagonisten (Täter) werden extrem gut dargestellt. Oftmals weiß der Leser sehr viel über die entsprechende Personen, ohne zu wissen, wie sie heißen und wer sie sind. Das trägt wesentlich zum Spannungsaufbau bei.
z.B. Der Mann, der kein Mörder war, machte das und das … usw.

Der Plot:

Die Fälle, die die Reichsmordkommission zu lösen hat, sind außergewöhnlich. Bisher war das in allen vier Bänden so.

Der Mann, der kein Mörder war.
Die Frauen, die er kannte.
Die Toten, die keiner vermisst.
Das Mädchen, das verstummte.

Über die Handlungsstränge will ich hier jetzt nicht zu viel verraten, aber allein die Titel könnten einen aufhorchen lassen.

Parallel zur Lösung der Fälle, passiert einiges mit den Hauptprotagonisten. Sie werden mit neuen, persönlichen Konflikten konfrontiert oder schaffen es, für sich selbst oder untereinander Klarheiten zu schaffen. (oder aber eben weitere Unklarheiten aufzubauen) Die Konfrontation, aber auch die Lösung derartiger Probleme trägt oftmals zur Lösung des Falles bei, an dem die Gruppe gerade arbeitet.
Das finde ich einzigartig und überaus gelungen.

Mit anderen Worten, die Lösung der ungewöhnlichen, intelligenten Kriminalfälle ist ebenso spannend wie die Entwicklungsgeschichte der ermittelnden Protagonisten. Dadurch erreichen die Romane eine Dichte, die ihresgleichen sucht und die (zumindest bei mir) eine Lesesucht hervorgerufen hat, wie ich sie nicht bei jedem Buch erlebe.

Interessant ist auch, dass oftmals die Gedanken und Überlegungen Einzelner genau beschrieben werden. Dadurch ist es dem Leser möglich, tief in das Innere von Personen einzutauchen und zu erleben, wie diese die Zusammenhänge wahrnehmen oder interpretieren. Das eröffnet neue Perspektiven, wie die Geschichte weitergehen könnte, wer der Täter sein könnte oder auch nicht. Natürlich stimmen diese Überlegungen nicht immer und auch die Tatsache, dass der Leser eventuell früher weiß, dass die entsprechende Person falsch liegt, erhöht den Reiz und die Spannung.

Die Autoren spielen elegant mit der Perspektive des auktorialen Erzählers, der alles weiß und dieses Wissen gnadenlos einsetzt um seine Leser/-innen gut zu unterhalten.

Hjorth und Rosenfeldt haben erstklassige Krimi-Unterhaltungsliteratur geschaffen und stehen zu Recht an der Spitze der Bestsellerlisten der internationalen Unterhaltungsliteratur.

Angehende Autor/-innen sollten diese Romane studieren, auch wenn Krimi nicht ihr gewähltes Genre ist. Es lässt sich sehr viel daraus lernen.

Kurz noch ein paar Worte zu den Verfilmungen.

Der Mann, der kein Mörder war und Die Frauen, die er kannte, wurden in einer Gemeinschaftsproduktion (u.a. ZDF) verfilmt.

Bisher habe ich nur: Der Mann, der kein Mörder war, gesehen und das war sehr, sehr enttäuschend.

Rolf Lassgard als Sebastian Bergmann halte ich für eine komplette Fehlbesetzung. Ich schätze Lassgard sehr, aber für diese Rolle hätte man ein unbekannteres Gesicht nehmen sollen. Lassgards Dominanz als Wallander ist zu übermächtig und zumindest mir gelang es nicht, Sebastian Bergmann zu erkennen. Auch alle anderen Protagonisten bleiben farblos, die Story wirkt unbeholfen zurechtverstümmelt und bringt nicht mal ansatzweise die Stimmung des Romans rüber. Komplette Handlungsstränge wurden ausgelassen, weil sie wohl in den knapp 90 Minuten nicht unterzubringen waren. Vermutlich wäre es schlauer gewesen, die Fälle der Reichsmordkommission in einer längeren Serie, wie zum Beispiel Borgen, Kommissarin Lund, oder Transit, Brücke in den Tod anzulegen. In kurzer Spielfilmlänge lässt sich die Qualität der Story anscheinend nicht wirklich gut darstellen.

Die zweite Verfilmung, Die Frauen, die er kannte, habe ich auch, schaue sie mir aber vorerst nicht an.

Das Lesen der Bücher ist auf jeden Fall ein größerer Genuss.

Ich wünsche viel Vergnügen und jede Menge neue Erkenntnisse.

Kurzgeschichte: Auf keinen Fall Wasser

Eine schöne, einfache Schreibübung mit Ergebnis!
(nach A. Steele – Creativ Writing)

Schreiben Sie zehn Dinge auf, die Ihnen in der letzten Woche begegnet sind. Denken Sie dabei an Menschen, Ereignisse, Situationen, Vorfälle, Gedanken usw.

Wählen Sie aus der Liste ein Stichwort und überlegen Sie, ob und wie sich daraus eine Geschichte machen lässt.

Meine zehn Einfälle:

1. Besuch meiner Lektorin.
2. Eine junge Frau spricht mich im Café an.
3. Meine Frau bastelt Fröbelsterne.
4. Ich schreibe den Blogartikel Pink vs. Punk.
5. Ich trage eine bunt gepunktete Badehaube.
6. Ich kaufe zwei Billyregale bei IKEA.
7. Meinem besten Freund geht es gesundheitlich nicht gut.
8. Im Winter wachsen auch Pilze.
9. Paris – Charlie Hebdo
10. Die Staatsanwaltschaft meldet sich. Sie ist dem Typen, der mein Auto zu Schrott gefahren hat, auf der Spur.

Stoff für viele Geschichten. Die Woche war traurig und nervenaufreibend genug und ich entscheide mich für etwas Leichtes: die bunt gepunktete Badehaube.

Hier das Ergebnis:

Auf keinen Fall Wasser

Eine Kurzgeschichte von Rüdiger Paulsen

Ich hielt die Idee mit der Tupperdose von vorneherein für bescheuert.
Okay, lustig, aber eben bescheuert.
Einer HNO-Ärztin mit Humor begegnet man auch nicht alle Tage.
«In ihre Ohren darf in den nächsten zwei Wochen kein Wasser.»
Frau Dr. Westenkate grinste schelmisch und legte nach: «Machen sie was. Von mir aus setzten sie sich beim Duschen ne Tupperdose auf den Kopf, egal was, bloß kein Wasser, verstanden?»
Natürlich hatte ich verstanden, aber Tupperdose?
Ich schlug Wattekügelchen vor, was sie vehement abschmetterte.
«Nichts reinstopfen! Auch Ohropax ist tabu. Und prokeln sie auf keinen Fall mit irgendwas drin rum, Q-Tipps oder so. Abschotten, klar?»
«Schon gut, schon gut. Ganz taub bin ich noch nicht.»
Also Tupperdose.
Die Dinger schließen luftdicht ab, soviel wusste ich. Unklar war mir allerdings, wie sich das auf meinem Kopf bewerkstelligen ließ – und so eine Große hatten wir gar nicht, vermutete ich.
Meine Ohren sind halt anders. Das Ohrenschmalz wandert nicht nach außen, was bei den meisten Menschen der Fall ist, nein, es kullert ins Innere, verdrückt sich, setzt sich fest.
Verpfropfung nennt man das.
Das führt zu Hörproblemen und Juckreiz und, wie diesmal, zu einer Entzündung. Schmerzfrei zwar, aber permanentes Jucken nervt.
Dafür bekam ich Tropfen.

«Haben wir eine Tupperdose, die mir passt?»
«Wie?»
«Eine, die groß genug für meinen Kopf ist.»
Meine Frau liebt es, wenn ich sie zum Lachen bringe. Diesbezüglich ist sie einiges von mir gewohnt.
Ständig vor sich hingickelnd, kramte sie eifrig verschiedene Exponate aus einer Küchenschublade, in deren Tiefe ich noch nie vorgedrungen war.
Wir haben scharfe Reviergrenzen.
Mit einem Gummiband hätte man nette Karnevalshütchen basteln können, allerdings völlig duschuntauglich.
Die Salatschleuder besaß zwar die passende Größe, verdeckte aber Augen und Nase und ließ sich, und das war das Entscheidende, nicht sicher fixieren. Also auch keine Lösung.
Wir versuchten es mit Gefrierbeuteln der 4 Liter Klasse – ich hatte schon des Öfteren vergeblich größere Varianten vorgeschlagen – und scheiterten.
Der zurechtverstümmelte Gelbe Sack schaffte es ebenfalls nicht in die engere Auswahl.
«Du solltest dir Mr. Spock oder Elbenohren zulegen. Die müssten eigentlich alles gut abdecken», schlug meine Angetraute vor.
Ausgezeichnete Idee!
Ich entflammte sofort.
Vulkanier! Ein alter Traum erwachte.
Spockohren wären sicher auch im normalen Alltag interessant. An meinem fast haarlosen Schädel würden die vermutlich bombastisch wirken. Ich überlegte mir schon, wie ich auf erstauntes Nachfragen reagieren könnte.
«Ohren? Wie? Was für Ohren? Wieso? Ist was nicht in Ordnung?»
Bestimmt bekäme ich Unmengen von noch nie gesehenen Gesichtern präsentiert, die sich hervorragend literarisch verarbeiten ließen.
Bingo! Zwei Fliegen mit einer Klappe.
Wo kriegt man so was? Die Antwort präsentierte sich unmittelbar: Januar. Faschingszeit. Das sollte machbar sein.
Ich düste los.

«Haben sie Gummiohren?»
«Wie bitte?»
«Na so Dinger wie Mr. Spock, sie wissen doch, oder die Elben bei Tolkien.»
«Hm, wir hätten Ganzkopfmodelle, Gummi-Latex-Masken. Angela Merkel, Putin oder Horror.»
Merkel war indiskutabel. Außerdem hatten wir die schon als Zitronenpresse, aber Horror?
«Horror klingt gut. Zeigen sie mal.»
Sie drehte sich um, griff zielstrebig in ein Regal und drapierte Meister Yoda, Angela Merkel und Boris Karloff auf dem Tresen, verpackt in kleinen Boxen, die mit chinesischen Schriftzeichen überflutet waren.
Mit dem Genre Horror schien sie sich nicht besonders gut auszukennen, obwohl ihre aufgebrezelte Frontalansicht anderes vermuten ließ.
Karloff sprang mir sofort ins Auge. Wow! Frankenstein wär`s doch.
«Sind die wasserdicht?»
«Glaub schon. Is ja son Gummizeug und deckt den Kopf komplett ab.»
«Gut, dann einmal Boris Karloff bitte.»
«Wen?»
Ich deutete mit dem Finger drauf.
«Ach den Zombie. Gerne.»
Sie war eindeutig zu jung für cineastische Feinheiten aus dem letzten Jahrhundert.
18,95! Was tut man nicht alles für seine Gesundheit.

Mist!
Ich stand im Schlafzimmer. Früher Abend – unbekleidet. Duschbereit.
Dummerweise hatte ich vergessen zu fragen, ob`s die Dinger in verschiedenen Größen gibt. Das Teil war ein wenig eng. Vielleicht hätte ich mein Gesicht vorher mit Olivenöl einreiben sollen. Zu spät für derartige Überlegungen.
Beim Drüberstülpen riss Boris am Kinn ein. Egal, ich steckte stramm drin. Ohren platt Richtung Backen abgeklappt. Alles war plötzlich entspannt still, so wie in einem Floating-Tank. Und wasserdicht, 100% wasserdicht. Keine Frage.
Atmen ging ebenfalls, auch wenn dabei merkwürdige Pfeifgeräusche auftraten.
Leider sah ich nichts.
Die Augenlöcher müssen bestimmt vor der Benutzung passend für den jeweiligen Träger zugeschnitten werden, schoss es mir durch den Kopf.
Ich sollte in Zukunft Gebrauchsanweisungen lesen, das nahm ich mir fest vor, aber diese blöden Bildchen für Analphabeten fand ich schon immer nervig.
Kleine Einschnittlöcher für die Augen waren vorhanden, wie ich durch geschicktes Abtasten feststellte. Allerdings befanden sie sich etwas unterhalb meiner Nasenlöcher.
Das Personal im Einzelhandel sollte wirklich besser ausgebildet werden.
Ich versuchte eine Komplettverschiebung, wozu ich beide Hände einsetzen musste. Flach aufsetzen und dann synchron nach oben drücken. Es ging. Meine Nase wurde vorne leicht eingedrückt und hochgestülpt, was ich genau fühlen, aber nicht sehen konnte. Stattdessen kam mir das Sams in den Sinn.
Gleichzeitig spürte ich, wie sich meine Oberlippe in die Nasenlöcher quetschte.
Etwas unangenehm, aber ich wollte mich ja nicht unterhalten, ich wollte duschen.
Ein feiner Lichtstrahl schoss mir ins rechte Auge und blendete mich. Links blieb alles dunkel. Vermutlich hatte das mit der Synchronizität der Verschiebung nicht so richtig funktioniert.
Sei`s drum. Den Weg ins Bad kannte ich. Kurz über den Flur und scharf rechts. Das sollte klappen. Und dann durchtasten bis zur Badewanne – Kleinigkeit.
Mit ausgestreckten Armen durch den Flur tapsend, stellte ich zwei Dinge fest:
Erstens, dass sich ein Schatten vor mir aufbaute.
Zweitens, dass die Schalldichte nicht vollständig war. Schrille, hohe Töne drangen problemlos durch.
Etwas prallte an mir ab und plumpste auf meine Füße.
Das machte mich schlagartig nervös. Hektisch zerrte ich an meinem Ganzkopfohrenschutz, was dazu führte, dass der Riss im Kinn sich explosionsartig bis zur Stirn verlängerte und Boris nach links und rechts wegklappte wie ein Vorhang im Kasperletheater.
Vor mir auf den Fliesen lag meine Frau.
Klar, wenn man ahnungslos vom Einkaufen kommt, den Mann nicht zu Hause wähnt und dann einem nackten Boris Karloff im dämmrigen Flur begegnet, kann man schon mal umfallen.
Nachdem ich sie ins Wohnzimmer bugsiert hatte, wobei sie pausenlos unartikulierte Geräusche ausprustete und ihre Augen mich an Marty Feldmann erinnerten, beschloss ich, mich erst mal wieder anzuziehen.
Irgendwie blöd, wenn jetzt UPS oder die Nachbarin hereinschneiten. Die kommen ja immer zu den unmöglichsten Zeiten.
Dummerweise hatte ich die Unterwäsche schon in den Wäschekorb geworfen.
Aber ungeduscht, was Frisches anziehen?
Zum Glück lag sie oben auf, und da ich eh etwas ins Schwitzen geraten war, überdeckte mein Eigen- den Gebrauchsgeruch.
Zum Schwitzen noch eine kleine Randbemerkung. Meine Gemahlin liebt Schokolade, was dazu führte, das sich ihre elfenhafte, jugendliche Leichtigkeit – ich konnte sie tatsächlich mal auf den Händen tragen – im Laufe der Jahre, mittels einer sich fast unmerklich vollzogenen Metamorphose, in einen angenehm weichen, allerdings etwas gewichtigeren Ganzkörperschmeichler verwandelt hatte.
Zurück im Wohnzimmer stellte ich fest, dass meine bessere Hälfte den größten Teil der Rekonvaleszenzphase bereits durchlaufen hatte. Sie sah einigermaßen erholt aus.
Gut, die Frisur, aber das konnte man richten und neue Brillengläser … ach, Schwamm drüber. Das hielt sich in Grenzen.
Ihre Atmung hatte sich normalisiert und die abgehackten, gestammelten Wortfetzen ergaben schon wieder Verständliches.
«Übst du für Karneval?»
«Ne, ich wollte duschen.»
«Ah ha. Hol mal meine Tasche aus dem Flur.»
Da hingen einige.
Ich brauchte einen Moment, bis ich begriff: Es konnte nur die abgewetzte Braune sein, die sich in der Kunststoffpalme verheddert hatte und die mich an die Satteltasche eines abgehalfterten Westmanns erinnerte.
Beim Karloff Kontakt hatte sie sich großflächig entleert und ihren Inhalt weiträumig im Flur verstreut. Der Menge, der seltsamen Gegenständen nach zu urteilen, inklusive des Inhalts des berüchtigten schwarzen Loches, das sich – die Gerüchte halten sich hartnäckig – tief im Inneren dieses weiblichen Accessoires befinden soll, kam einiges an Arbeit auf mich zu.
Nach einer gefühlten Viertelstunde, sehr genau wissend, dass ich mich gerade in einer No-Go Area bewegte, hatte ich alles zurückgestopft und lieferte.
Das jetzt einsetzende Herumkramen dauerte. Ich hatte wohl, natürlich unfreiwillig, die rätselhafte Ordnung eines weiblichen Survival-Containers durcheinandergebracht. Endlich, die zweite Zigarette qualmte gerade in den letzten Zügen, wurde mir triumphierend ein Plastiktütchen in der Größe einer Zigarettenschachtel in die Hand gedrückt.
«Das sollte gehen und – es wird auch Zeit!»
Ich hätte schwören können, dass mir bei der Beseitigung der Kollateralschäden dieses bunte Päckchen nicht begegnet war.
Zugegeben, als ich kurz darauf vor dem Badezimmerspiegel stand und mir ein rotgesichtiges Etwas entgegenglotze, das aussah wie eine angeschnittene Honigmelone mit Frischhaltehäubchen, das debile Grinsen jetzt mal außenvorgelassen, musste ich mich fragen, warum ich nicht auf diese einfache, geniale Idee gekommen war: eine Duschhaube!
Und wieso meine Beste ein Modell mit Rosa, Lila und gelben Pünktchen gewählt hatte, erfuhr ich später.
Im Laden, sich nicht entscheiden könnend, welches der vielen fantastischen Modelle sie wählen sollte, wurde sie (ich nehme meine Bemerkung, bezüglich der Ausbildung im Einzelhandel, zurück), perfekt beraten.
«Für wen möchten sie sie denn haben», wurde sie von der aufmerksam gewordenen Verkäuferin gefragt.
«Für meinen Mann.»
«Ach so, dann nehmen sie doch besser …»
«Nein, nein lassen sie nur, ich will die mit den Pünktchen. Schließlich möchte ich auch etwas davon haben.»
Wie gesagt, sie mag es, wenn ich sie erheitere.

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Prinzessin: Pink vs Punk oder was sonst noch geht

Können Männer Prinzessinnen-Geschichten schreiben?

Kurze Vorgeschichte:

Ich hatte schon häufiger Überlegungen zu einer schönen Prinzessinnen-Geschichte angestellt, leider ohne Erfolg. Der zündende Gedanke stellte sich nicht ein.
Ich wollte vorbereitet sein, etwas in petto haben, aber wie gesagt: Es kam nichts.
Also legte ich eine Datei an und sammelte alles, was mir zum Thema Prinzessin einfiel. Im Laufe von einigen Wochen trug ich etliches zusammen. Dummerweise war das Meiste bereits tausendfach in ähnlichen Geschichten verarbeitet worden und inspirierte mich nicht sonderlich.

Nun gut, es gab keinen Auftrag, keinen Druck und so geriet die Sache in Vergessenheit.

Und dann kam der Anruf!

1. Tag

«Hast du eine Prinzessinnen-Geschichte auf Lager?
«Äh, nein.»
«Könntest du schnell eine schreiben?»
«Äh, ja. Was heißt schnell?»
«Naja, eine Woche?»
«Okay! Ich melde mich.»

Also los.
Klar war mir, ich wollte eine fetzige, freche Protagonistin. Wild, vielleicht etwas punkig, unangepasst und auf keinen Fall in Lila-Pink.

Meine Recherche ernüchterte mich schnell.
Es gab schon reichlich Geschichten mit Anti-Prinzessinnen.
Prinzessinnen die Widerworte gaben, sich schmutzig machten, frech und vorlaut waren, kurz, die gegen die üblichen Klischees verstießen und sich wie normale Kinder verhielten.

2. Tag
Ich entwickelte trotzdem ein sympathisch, liebenswertes Großmaul, überlegte mir einen Plot und:
Enter und weg.

Anruf:
«Nein, nein! Bitte keine Anti-Prinzessin. Davon habe ich genug. Kleine Mädchen stehen nun mal auf echte Prinzessinnen, auf Lila, Rosa, Pink und Glitzer. Diesen Wunsch möchten wir gerne bedienen.»

«Okay. Ich melde mich.»

Mist! Was nun?

2.  Tag Rest
Wie schreibe ich eine Geschichte, mit einer Prinzessin im Lila-pink-Glitzer-Modus, ohne mich der bekannten Lillifee oder ähnlichen Figuren zu sehr anzunähern und, wichtig: ohne mich selbst zu verraten, indem ich etwas schreibe, das ich eigentlich so gar nicht vertreten kann und will.

Grübel, grübel.

3. Tag

Grübel, grübel.

Noch nie ist es mir passiert, dass ich zu einem Thema keine Geschichte aufs Papier gebracht habe. (Ärger-Grummel)

Es nützte nichts, ich gab auf.

3. Tag Mittag

Meine Frau kommt rein, wirft einen Blick auf meine Geschreibselversuche.
Ich erkläre mich und meine Verzweiflung.
Sie zieht sich zurück und Minuten später höre ich aus dem Nebenzimmer:
«Du, ich hätte da eine Idee.»

Ihre Idee war genial!

3. Tag – später Nachmittag

Plot fertig – Enter und weg.

Und dann schreiben, schreiben, schreiben …
Ich entschied mich für eine Geschichte in Reimform. Ich mag Reime und weiß, dass Kinder das ebenfalls sehr mögen.

Die Geschichte purzelte mir aus dem Stift. Ich hämmerte sie in den Rechner,
verbesserte, korrigierte, verbesserte usw.
Zwei Stunden später hatte ich eine brauchbare Version.

Jetzt der Titel.

Ich wollte einen Titel, der das Wort Prinzessin nicht enthalten sollte und schnell tauchte eine schöne Idee auf. Vermutlich, weil ich Astrid Lindgren liebe.

Dann:

3. Tag früher Abend

Anruf:
«Ach ne. Ich glaube, der Plot trägt nicht so richtig. Ich seh keinen Spannungsbogen. Worauf soll das hinauslaufen? Höhepunkt? Ich weiß nicht.»
«Warte, ich mail dir mal was rüber.»
Enter und weg.

Von wegen kein Spannungsbogen! Soll sie erst mal die komplette Geschichte lesen.

Und das tat sie, und zwar schnell.

3. Tag 50 Minuten später

Anruf:
«Sehr schön! Gekauft. Etwas feilen müssen wir noch, aber im großen Ganzen okay.»

Meine Lektorin hat eine wunderbare Gabe:
Wenn sie etwas nicht so toll findet oder sich bei bestimmten Themen, die ich ihr anbiete, nicht sicher ist, sagt sie: «Okay, überzeug mich!»
Und damit kitzelt sie erfolgreich an meinem Ehrgeiz.
Ich mag das.

Gut, aber was ist jetzt dabei rausgekommen?

Das hier:

Serafina Königstochter

Carlsen Verlag Hambug
Pixi-Serie 224 “Pixis Prinzessinnen-Parade”
Kassetten ISBN 978-3-551-05224-7
Autoren: Cordula und Rüdiger Paulsen
Illustration: Fariba Gholizadeh

Zum Inhalt:
Prinzessin Serafina wird sechs und kommt in die Schule. Zu ihrem Geburtstag lädt sie ihre besten Freundinnen aufs Schloss ein. Die Mädchen werden mit einer Königskutsche abgeholt. Als sie die Kleiderkammer von Serafina sehen, sind sie völlig aus dem Häuschen. Serafina schlägt vor, alle dürfen sich ein Kleid aussuchen. König und Königin haben plötzlich nicht eine, sondern sieben Töchter.
Die Freundinnen dürfen für einen Tag und eine Nacht Prinzessin sein. Am nächsten Tag, nach dem Frühstück, werden sie mit der Kutsche zurückgebracht. Das war für alle  ein schöner, unvergesslicher Tag.

Ich habe also eine Lila-Pink Prinzessinnen-Geschichte geschrieben, ohne mich verbiegen zu müssen und ohne die üblichen Klischees übermäßig zu strapazieren. Damit kann ich leben.

Es war ein kurzer, sehr spannender Arbeitsprozess.
Das Pixi-Buch «Serafina Königstochter» erschien im Sommer 2014.

Kai Lüftner über die Kinderbuchbranche

Das geht alle an, die Bücher für Kinder schreiben.
Schon mehrfach veröffentlicht, aber hier nochmal, damit er bloß nicht vergessen wird.

Kai Lüftner – Kreativitäter

Das große Klein-Gemache oder: eine Branche ohne Wert!

Guten Tag.

Mein Name is Kai. Ich bin seit ca. drei Jahren sowas wie ein Autor, ein Kreativitäter der sich für die Zielgruppe Kind entschieden hat. Und irgendwie hab ich grad voll Erfolg und so – mehrere Bücher bei verschiedenen Verlagen, Preise, Auslandslizenzen, Hörbücher, Musik-CDs und ne Planungssicherheit für die nächsten drei – vier Jahre! Wow, oder?

Ja, alles cool eigentlich! Nich hinterfragen, sondern dankbardankbardankbar sein und einfach genauso weitermachen!
Hinter der Doppeldeckung den Rückenwind genießen, so lange er weht. –
Is mir aber leider irgendwie nich möglich! Denn hier läuft gewaltig was schief!

Ich komme vom Hörbuch, hab u.a. für Comedians und TV-Produktionsbuden geschrieben, war als Redakteur für Radio oder Printmedien tätig. Und was soll ich sagen? – Es waren fast alles Scheißjobs, gegen die ich mich letztlich ganz bewusst entschieden hab!

Aber, Momentchen, jedes einzelne mal hab ich trotzdem besser verdient als jetz, wo ich meine eigenen Inhalte kreiere. Inhalte für Kinder. Für das Wichtigste im Leben! Oder?
Ähm, hat meine Arbeit denn eigentlich einen Wert wenn sie so schlecht vergütet wird?
Für die Zielgruppe?
Die Verlage?
Mich selbst?

Das Thema ist nich neu. „Erfolgreich, aber arm!“ titelte gerade erst ein NDR-Bericht, indem unter anderem meine geschätzte Kollegin Antje Herden tief über die raue Wirklichkeit für uns Kinderbuchautoren blicken ließ. Aber durch is das Thema noch lange nich, denn man hat noch ein paar wesentliche Punkte außer Acht gelassen, finde ich!

Als es hieß, ich würde in eine große deutsche Talkshow eingeladen, sind Menschen, die seit Jahrzehnten in Presseabteilungen von Verlagen arbeiten, beinahe kollabiert. Das gab es ja noch nie! Wahnsinn! Einer „unserer“ Autoren? Im Fernsehen? – Ehrlich, als diese Nachricht so langsam durchsickerte, war das wie ein Paukenschlag in der Branche. Am Anfang hab ich das gar nich so richtig registriert, sondern einfach nur hingenommen – aber die Dimension dieses Ereignisses und die damit verbundene Aufregung hat mich rückblickend wirklich erschrocken – und vor allem zum Nachdenken gebracht.
Es scheint ganz normal zu sein:

Jeder Vollhorst, der mal n Stoppschild bei „GZSZ“ oder in der Lindenstraße gespielt und dann – unvermeidlich – seine Biographie oder einen Selbstverwirklichungs-Ratgeber veröffentlicht hat, wird durch alle existenten Talkshows gejagt und bekommt seine ihm offenbar zustehende Portion Öffentlichkeit.
Bamm, zwei Wochen Power-Promo später hat sich selbst der größte Rotz 20000 mal verkauft! Herzlichen Glückwunsch, Zweit- und Drittauflage – Bestseller –

Dankeschön!

Wir Kinderbuchautoren sind schon stolz wie Bolle, wenn wir mal im regionalen offenen Kanal kurz unser neues Werk präsentieren dürfen und nach einer Lesung in der Bibliothek von Klein Kleckersdorf drei signierte Exemplare aus unserem Bücherkoffer verscherbelt haben. Als Gimmicks noch die selbstfinanzierten Lesezeichen oder Autogrammkarten für die Kinder – und darauf hoffen, dass es im Backstagebereich noch Kaffee und Käsebrötchen gibt.

Das is übertrieben? Nich im Geringsten! Alles immer schön kleinklein. Und sich die ganze Zeit bewusst machen, in was für einer privilegierten Situation man is. – Hey, wir dürfen Kinderbücher schreiben, während andere richtig arbeiten müssen. Alles klar?
Und wo sind eigentlich die Stars der Branche? Wo sind die Gesichter zu den Namen derer, die erfolgreiche Titel produzieren? Wen kennt man denn noch, wenn man nich Händler, oder Blogger oder Verlagsmitarbeiter is?

Die alten Recken des Kinderbuchs klingen den meisten noch im Ohr: Michael Ende, Astrid Lindgren, Paul Maar, Ottfried Preussler, James Krüss, Enid Blyton, Erich Kästner – allesamt Stars! – Aber das is doch schon Jahre her! 10? 15? 20? Ich weiß es nich genau.
Heute fallen einem vielleicht noch Cornelia Funke, Kirsten Boje oder Andreas Steinhöfel ein. Wobei ich mir da nich mal wirklich sicher bin. – Und selbst diese Erfolgsautoren können vermutlich vollkommen unerkannt im Bademantel Brötchen holen gehen.

WIESO KÖNNEN SIE DAS? Wie is das möglich?

Während Herr Schätzing Schlüppa-Werbung macht, Herr Hohlbein ne eigene Doku-Soup im Privatfernsehen bekommt und Herr Fitzek sowieso n Popstar is, verdienen Jugendliteraturpreis-Gewinner ihren eigentlichen Lebensunterhalt als Synchronsprecher, geben Schreib-Workshops oder sind das ganze Jahr auf Tour, um über die Runden zu kommen!

Da platzt mir doch echt ne Ader!!!

Ich möchte brüllen: Hallo, hier sind wir! Die Frauen und Männer, die die Inhalte schreiben, die eure Kinder lesen! Meistens sogar gerne! Is es echt nich interessant, wie wir die Welt sehen, oder was wir über das Schreiben hinaus zu sagen haben? Is die Meinung eines Schauspielers, einer Nachrichtensprecherin, eines Pop-Musikers wirklich kategorisch so viel interessanter als unsere?

Ehrlich?

Ich hab allerdings auch das Gefühl, ein Teil dieses nicht zu leugnenden Zustandes resultiert aus der Selbstwahrnehmung der Branche selbst.
Sorry, ich will niemandem zu nahe treten, aber wann habt ihr euch das letzte mal breit gemacht für „eure Kunst“ oder „unsere Sache“?

Wer legt sich mit seinem Verlag an, wenn der die Prozente runterschraubt, irgendwelche Rechte über das Buch hinaus auf Lebenszeit besitzen möchte, Vorschüsse halbiert oder einfach mal nichts für das Produkt tut, nachdem es erschienen is?
Wer?
Ein großer Verlag für den ich arbeite war es scheinbar überhaupt nich gewöhnt, dass man die von ihm ausgestellten Vertragsangebote mit Anmerkungen zurück schickt. Das kannten die schlicht und ergreifend nich.

Einer meiner Lieblings-O-Töne aus unser schriftlichen Korrespondenz, als ich den Vertrag nach Prüfung durch meinen Medien-Anwalt zum dritten Mal zurückschickte und auf gewisse Dinge bestand:
„Man könnte anhand Ihres Verhaltens vermuten, Sie wollen gar nicht bei uns veröffentlichen!“
Doch, lieber Verlag, will ich!
Sehr gern sogar!
Ich will nur auch was davon haben! Ich möchte zum Beispiel die Hörbuchrechte behalten! Bei ein paar hundert angebotenen Euro Vorschuss, sollte man doch noch ein paar hundert Euro mehr aushandeln dürfen! Und nein, ich möchte nicht kategorisch meine Rechte an allen noch nicht bekannten Nutzungsmedien abtreten!

Vor allem, wenn ein Buch in der Herstellung so günstig is, wie ein Kinderbuch (billiger Autor, billiger Illustrator, billige Produktionskosten im Ausland), muss man sich als Verlag auch nich wirklich ins Zeug legen. Die paar Tausend Euro werden schon irgendwie wieder eingespielt – und wenn nich, egal! Versendet sich und macht sich ganz gut in der Backlist. Wird halt der nächste Autor ausprobiert, kein Ding!

Außerdem haben wir Kinderbuchschreiber auch scheinbar längst irgendwie akzeptiert in Nischen statt zu finden, außerhalb des Feuilletons und unterhalb des Wahrnehmungsradars der relevanten Medien. Eine positive Amazon-Rezi is uns schon mal ein Facebookposting wert! Hey, wenn andere nich über uns sprechen, müssen wir es eben selber machen!

Kürzlich zufällig mal Kinderradio gehört? Der einzige relevante und explizite Sender, den es gibt, spielt zu 50% Chart-Musik. Also Erwachsenen-Charts!
Es gibt eine einzige Sendung über Kinderliteratur im deutschen Fernsehen!

EINE! EINZIGE!

Hey, schau mal, ne dreizeilige Besprechung meines neuen Buches im kostenlosen Magazin der deutschen Bahn! Wahnsinn!
Das Land der Dichter und Denker verscherbelt seine Kinderbuchautoren am Krabbeltisch. Und wir basteln uns auch noch unsere Sonderangebots-Schildchen selber.

Mann ey, lasst mal was machen!

Wenigstens mit der Faust auf den Tisch hauen und kund tun, dass wir das mitbekommen, was hier mit uns abgezogen wird.
Wir müssen echt aufhören uns so klein zu machen, sonst sind wir so klein wie sie uns gerne hätten.
Die Verlage brauchen uns mehr, als wir die Verlage.

Verkauft euch nich unter Wert! Macht euer Ding – und das zu euren Bedingungen! Im Team zwar, aber als gleichberechtigte Partner, nich als Bedarfsschreiber! –
Das klingt einfacher als es is?
Stimmt nich – es is einfacher als es klingt.

Habt euch lieb! Ich tue es!

Kai

Kai Lüftner

Unbedingt Kai Lüftners Bücher lesen:

Für immer

Das Kaff der guten Hoffnung – Ganz oder gar nicht

Das Kaff der guten Hoffnung – Jetzt erst recht

 

Danke Kai, für diesen Text. Er kann gar nicht oft genug verbreitet werden!

Vorm Durchstarten einmal kurz zurück

Wenn ich mir das vergangene Jahr global betrachte, gab es kaum etwas, dass das Herz hätte erfreuen können. Trotzdem darf man den ganzen Wahnsinn, den uns die Mächtigen dieser Welt bescheren, nicht einfach ignorieren oder verdrängen. Die «Tagesschaubetroffenheit», dieses fünfzehnminütige Unwohlsein, das oft mit Spendenzahlungen abgedämpft wird, sollte man nicht akzeptieren, in der Gewissheit, dass man verstanden hat, aber eh nichts machen kann.

Leider falsch!

Etwas ist immer möglich!

Auseinandersetzen zum Beispiel, Stellung beziehen, innen und außen. Nicht alles glauben was wir sehen, hören, lesen. Nachhaken, schlaumachen, sich zu Wort melden und sei es nur in der Nachbarschaft oder bei Freunden. Mit jedem Mitmenschen so umgehen wie wir wünschen, dass mit uns umgegangen wird. Vorurteilsschubladen zunageln, neu hinschauen, uns einfach menschlich verhalten.

Das bewirkt persönliche Veränderungen und ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt in Richtung einer besseren Welt. Es gibt genug Dinge, bei denen man nicht mitmachen muss, wo man anders denken und handeln kann. Und wenn wir darin noch nicht besonders gut sind, weil wir es nicht gelernt haben, könnten wir jetzt anfangen.

Zu spät dafür ist es erst, wenn wir gestorben sind.

Also: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Mein 2014

Ein wunderbares Jahr liegt hinter mir und ich hoffe, ich konnte etwas von dem, was ich so reichhaltig bekommen habe, auch zurückgeben.

Der Carlsen Verlag und Pixi

Ich freue mich sehr darüber, dass ich als Autor einen guten Einstieg in die Pixi-Abteilung des Carlsen Verlags geschafft habe.
Ich schreibe irrsinnig gerne kurze, knackige Bilderbuchgeschichten.
Dank der Pixi-Cheflektorin Eleonore Gregori bekam ich eine 1-A-Schulung, wie man Pixis schreibt. Vermutlich etwas, das unbezahlbar ist.

Wer mehr über Pixi erfahren möchte: Alles über Pixi-Bücher 

Im Januar durfte ich das erste gedruckte Maxi-Pixi (Freistoß für Frieda) in den Händen halten.
Im März/April/Juni erschienen dann drei weitere Pixis: Der faule Osterhase – Die Urwaldschule und Serafina Königstochter.

Im August lud uns der Carlsen Verlag mit dem Puppenburger TurmTheater zum 60 jährigen Pixi-Jubiläum ein. Das war Klasse und wir durften der ersten Verleihung des goldenen Pixis beiwohnen.
Jetzt sprudeln wir vor Ehrgeiz.
Meine Frau besteht darauf, dass der goldene Pixi irgendwann in unserem Bücherregal steht;-)) (I will do my very, very best).

Im November kam ein weiter Kontakt bei Carlsen zustande und ich konnte eine Geschichte für den Pixi-Adventskalender verkaufen.

Schreibwerkstatt

Im Januar beschloss ich auch, mehr Kontakt zu anderen Schreibinteressierten herzustellen und gründete eine Schreibwerkstatt.
Start: 18. Februar 2014.
Ich bin kein Schreiblehrer. Deshalb stellte ich von vorneherein klar, dass ich Menschen suche, die, ebenso wie ich, das Handwerk des Schreibens erlernen wollen.
Im März pendelte sich die Gruppe auf sieben Teilnehmer/-innen ein und seitdem treffen wir uns 1 x pro Woche zum gemeinsamen Lernen und Austauschen. Eine Teilnahmegebühr gibt es nicht.
Der Kulturverein Borgholzhausen stellte uns kostenlos einen wunderschönen Raum zur Verfügung.
Jetzt, am Jahresende, besteht die Gruppe immer noch aus sieben Leuten.
Bisher war es sehr lehrreich und es gab viel zu lachen. Ich bin froh, dass sich meine Anfangsidee so positiv entwickelt hat.
Ich bin zwar in eine Art Leitungsfunktion gerutscht, aber einer muss das ja machen und das ist auch okay.

E-Book

Auf der Buchmesse in Leipzig, im März `14, bekam ich Kontakt zu dem Unternehmen Zeilenwert und begann mit der Planung für mein erstes E-Book: Gutenachtgeschichten für Kinder.
Geschichten hatte ich reichlich. Ich wählte 10 aus.
Julia Rosenkranz (Carlsen Verlag) arbeitet auch als freie Lektorin und übernahm das Lektorat. Sie lieferte eine tolle Arbeit ab (bin gespannt, ob die Downloads alle Kosten wieder einspielen).

Kinderbuch

Für ein umfangreicheres Kinderbuch, das ich im März 2014 fertigstellte, machte ich mich auf die Suche nach einem Verlag bzw. einer Agentur. Leider erfolglos.
Zwar erhielt ich etwas mehr als die üblichen Standardabsagen und wurde ermutigt es weiter zu versuchen, was ich aber nicht gemacht habe und auch nicht mehr machen werde.
Ich bin mittlerweile fest davon überzeugt, dass einem heute wohl nur noch der Weg über das Self-Publishing offen steht, wenn man seine Texte an die Öffentlichkeit bringen möchte.

Ich glaube es ist besser, sich von Verlagen oder Agenturen finden zu lassen, als selbst danach zu suchen. Die Zeit und Energie, die man dafür aufwenden muss, steckt man sinnvoller in die Eigenproduktion. Das ist dann nicht so frustrierend.
Natürlich müssen die Texte gut sein, aber daran arbeite ich. Dass ein Self-Publisher mehr können muss, als gute Texte zu schreiben ist mir klar. Da ich seit 30 Jahren als selbstständiger Kleinkünstler im Bereich Kindertheater unterwegs bin, sollte ich das eigentlich hinbekommen.

Mit Pixi ins Fernsehen

Ebenfalls im Frühjahr meldete sich der WDR (Lokalzeit Bielefeld) und drehte mit uns einen kleinen Beitrag zum Thema: Cordula und Rüdiger Paulsen – Pixi-Buch Autoren.
Obwohl der gesendete Beitrag nur wenige Minuten lang war, haben die Dreharbeiten einige Stunden gedauert.

Neues zum Lernen

Im Laufe des Jahres entdeckte ich viele neue Autor/-innen, die sich mit dem Handwerk des Schreibens befassen und dementsprechend auch Bücher dazu publiziert haben. Unter anderem Silvia Englert, Hans-Peter Roentgen, Stephan Waldscheidt und Marcus Johanus (die Letzten beiden über Twitter). Dann tauchte der Uschtrin Verlag auf, der die Zeitschrift «Federwelt» herausgibt, und ich erwarb alle noch verfügbaren Ausgaben. Lese- und Lernstoff also genug.

Papyrus Autor

Irgendwann stolperte ich über das Schreibprogramm Papyrus Autor! An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Andreas Eschbach und Ullrich und Hendrik Ramps von der R.O.M. Logicware Soft- & Hardware GmbH, die etwas Tolles auf den Markt gebracht haben. Das Programm ist unglaublich vielseitig. Für mich mittlerweile ein unverzichtbarer Helfer um gute Texte zu schreiben. Ich kann es wärmstens weiterempfehlen.

Meine Cafès

Mittlerweile gibt es viele Cafès in denen ich schreibe.
Ein Cafè muss mindestens zwei Voraussetzungen erfüllen damit ich schreiben kann und will:

1. Filterkaffee: Ich mag diesen ganzen aufgeschäumten gepressten Kapselcremakaffee nicht und die ganzen neumodischen amerikanischen Kaffeeklitschen, die ohne Ende chemische Geschmacksverstärker mit braunem Wasser und gepanschter Milch vermixen, können mir echt gestohlen bleiben. Mir unerklärlich, wie man so eine Brühe geniessen kann. Echter, am liebsten handgebrühter Filterkaffee, ist für mich nach wie vor die Krone der Kaffeeschöpfung. Ich trinke nicht viel Kaffee, aber wenn, dann muss er mir auch schmecken.
2. Eine Raucherlounge: In den warmen Monaten ist das mit dem Rauchen kein Problem, weil man fast überall draußen sitzen kann. Im Winter wird es etwas schwieriger. Zum Glück wohne ich an der Grenze zu Niedersachen (wo man noch rauchen darf) mit mehreren Kurorten im 20km Bereich. Dort gibt es in jedem Cafè einen Raucherraum!

Hier meine drei Favoriten:

Lebkuchen Ladencafè Schulze – Borgholzhausen

Cafè Strathmann – Bad Rothenfelde

Cafè Knigge – Bielefeld

Dazu kommen viele Supermärkte in den umliegenden Orten, in denen es einen Bäcker gibt. In der Regel haben die guten Kaffee und Sitzplätze mit Sonnenschirmen im Freien. Das garantiert mir das richte Maß an Trubel, Lebendigkeit und Ruhe, die ich brauche.

Warum das so ist, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich es liebe.

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Wettbewerbe

An einem Schreibwettbewerb habe ich auch teilgenommen, weiß aber noch nicht, was dabei herausgekommen ist.

Brötchen verdienen

Und dann musste ich natürlich noch Geld verdienen, was mir als Puppenspieler, Ballonknoter und Balladenrezitator zusammen mit meiner Frau ganz gut gelungen ist.

Während ich das hier schreibe, bin ich selbst ganz erstaunt, was in 2014 alles passiert ist.

Eine weitere Website und das E-Book

Eine neue Internetseite ist auch noch entstanden:  www.gutenachtgeschichten-kinder.de.
Es gab so viele Texte, die ich nirgendwo unterbringen konnte und deshalb dort
veröffentlichte.
Vermutlich werde ich die Seite aber demnächst wieder schließen, weil die meisten Geschichten in meinem ersten E-Book veröffentlicht wurden, das am 30.11.14 erschienen ist.
Titel: Von Schrottels, verliebten Gespenstern und wilden Kindern – 10 bunt gereimte Gutenachtgeschichten.
Diese Geschichten gleichzeitig kostenlos im Internet zur Verfügung zu stellen, erschien mir dann doch nicht so schlau. Zum Glück hielten sich die marketingtechnischen Anstrengungen für diese Internetpräsenz in Grenzen und es schmerzte nicht besonders.

Dreharbeiten

Die letzte September- und die erste Oktoberwoche standen im Zeichen der Dreharbeiten für einen kleinen Promotion-Film einer Lebkuchenfabrik. Da der Text erst am Drehtag endgültig fertiggestellt wurde, durfte ich innerhalb eines Tages 8 Din A4-Seiten auswendig lernen und ohne Proben in die Kamera sprechen und spielen. Das war eine echte Herausforderung, aber ich liebe derartige Unmöglichkeiten und: Es hat funktioniert!

Blog und Twitter

Im Oktober eröffnete ich dann meinen Autoren-Blog und einen Twitter Account. Wieder darf und durfte ich einiges lernen.

Veröffentlichungen in Zeitungen

Weiterhin konnte ich im Laufe des Jahres 8 Geschichten in Zeitungen unterbringen, besser gesagt in Familienmagazinen. Genau mein Zielpublikum! Diese Zeitungen in München, Hannover und Berlin erscheinen in hoher Auflage und bleiben zwei Monate aktuell. Das bringt zwar kein Geld, aber eine bessere Werbeplattform für jemanden der Kinderbücher schreibt, kann ich mir nicht vorstellen. Die Auflagen liegen zwischen 70.000 und 90.000. Im Schnitt wird jede Ausgabe von 2,3 Leser/-innen gelesen.
(Ich bin sehr gespannt, wie sich das auf das E-Book auswirkt). Neben den Texten bekomme ich immer einen Platz für eine kleine Werbeanzeige für das neuste Pixi oder ab jetzt auch für mein E-Book.

Besonders bedanken möchte ich mich bei Elke und Ulf von Sparre, den Herausgebern vom Kitz Magazin in München. Sie mögen meine Geschichten und veröffentlichen mich seit Herbst 2013 regelmässig in jeder Ausgabe.

Ein guter Freund

Auf keinen Fall vergessen darf ich meinen Freund Markus Kaufmann, der mir auch 2014 wieder völlig uneigennützig unter die Arme gegriffen hat und der unglaublich fit in allen Dingen ist, die mit dem Internet und mit Webseiten zu tun haben. Er bestand darauf, dass ich das alles lernen kann und er war und ist mir ein erstklassiger Lehrer. Ohne ihn könnte ich nicht so im www unterwegs sein, wie ich es zurzeit bin. Danke, Markus.

Auch bei allen Anderen, die hier jetzt nicht namentlich erwähnt wurden (es sind einfach zu viele) bedanke ich mich für Freundschaft und Unterstützung. Ich glaube, der größte Reichtum im Leben sind gute Freundinnen und Freunde.

Und natürlich die besser Hälfte!

Meine Frau räumt mir viel aus dem Weg, produziert Ideen oder ergänzt meine eigenen, setzt ständig neue Impulse, überprüft kritisch und mit scharfem Auge meine Texte und läßt mir alle Freiheiten die ich brauche. Etwa Besseres konnte mir nicht passieren.

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Vorfreude

Nun fieber ich total dem 20. März 2015 entgegen. Dann erscheint die Pixi-Serie: «Große Abenteuer für kleine Kerle» und ich bin mit drei Geschichten vertreten. Am meisten freue ich mich auf die Piratengeschichte, die von dem großartigen Vitali Konstantinov illustriert wurde. Ich durfte schon einen Blick darauf werfen und bin begeistert. Genauso wollte ich das!

Um abschließend noch mal auf das Thema Self-Publishing zurückzukommen: Ich lerne langsam dazu und bin sicher, dass ich auch da einen/meinen Weg finden werde.

Und noch eins:

Schreiben lernt man nur durch Schreiben.

Ich bedanke mich bei Allen, die meine Texte lesen, die hier ab und zu vorbeischauen und die mir bei Twitter folgen.

Ohne Euch wär`s etwas einsilbig.

Ich wünsche euch ein erfolgreiches, genussvolles Jahr 2015.

Mögen die Worte mit euch sein;-)

Rüdiger Paulsen