Produktiver Nonsens

Neulich:

Ich hatte 45 Minuten Pause zwischen zwei Auftritten als Ballonkünstler, saß irgendwo rum und genoss erstklassigen Kaffee.
Genug Zeit um eine Geschichte zu beginnen, dachte ich, aber mir fiel nix ein.
Plötzlich machte sich meine Hand selbstständig und ich kritzelte merkwürdige Sätze aufs Papier:

Der Osterhase, der sich selbst versteckte.
Die Kaffeekannenparty im Ameisenhaufen.
Die Zahnbürste im Honigglas.
37 Versprecher für Ungeübte
Der verlorene Löwenzahn,

und viele andere, die ich hier jetzt nicht alle verraten möchte.

Das könnten Überschriften für Geschichten sein, schoss es mir durch den Kopf.
Geschichten, die noch nicht geschrieben sind und von denen ich nicht den Hauch einer Ahnung hatte, was sie erzählen sollen.
.
In den nächsten Tagen machte ich weiter. Hat wohl was mit assoziativem Schreiben zu tun.

Mittlerweile sind mehrere Seiten vollgeschrieben. Je mehr ich mich treiben ließ, umso tollere Sätze standen plötzlich da – Überschriften!!!

Dann suchte ich mir die aus, die mich am meisten ansprach und legte los.
Eine wunderbare Übung, ein wundersames Spiel, eine einmalige Erfahrung.
Eine interessante Geschichte erblickte das Licht der Welt!

Mir fiel ein, dass ich oft meine Puppentheaterstücke nach einem ähnlichen Schema entwickelt habe.

Zuerst denke ich mir eine Bühne aus.
Ich brauche ein Bild, eine Vorstellung, ein Szenario.
Ich muss dazu sagen, dass ich für jedes neue Stück eine eigene Bühne baue und auch eigene Figuren. Eine Figur, die in einem Stück mitspielt, auf ihrer Bühne, kommt nie in ein anderes Stück, auch dann nicht, wenn ich dort denselben Charakter benötige.

Beispiel:
Ich stellte mir vor, eine Geschichte zu spielen, die in einem Kinderbett spielt.
Also baute ich eine Bühne in Form eines Kinderbetts und überlegte, wo und wie die Figuren agieren könnten.
1. im Bett
2. unterm Bett
3. hintern Bett
4. vor dem Bett
und wenn das Bett an einer Wand stehen würde, könnte ich noch ein Fenster einbauen, das sich ebenfalls als Aktionsfläche anbot.

Ich baute das Ding, ohne zu wissen, was ich darauf inszenieren könnte.
Nach einigen Wochen war sie fertig und stand auf unserer alten Bauerndeele. Ich setzte mich davor und starrte sie an, ging drum herum, träumte mich hinein.
Eine Woche! Zu allen möglichen Tageszeiten. Manchmal saß ich schon morgens um 7.00 davor, manchmal um Mitternacht. Ich liebe diesen Teil meiner Arbeit besonders. Alles ist offen, alles ist möglich!
Dann tauchten die Figuren auf: die kleine Lisa, der Kuschelteddy, der Mond, zwei Mäuse, Lisas Eltern, ein Honigeimer usw.

So entstand mein Puppentheaterstück: Bettfahrkarte, fertig los!, das ich einige Jahre erfolgreich gespielt habe.

Wenn ich also über die visuelle Vorstellung einer Bühne eine Geschichte entwickeln kann, sollte ich dieses Prinzip auf das Schreiben übertragen. Auf jeden Fall sollte es einen Versuch wert sein.

Das Bild, die Worte, der Klang, der Rhythmus eines Satzes, einer Überschrift als Startschuss für eine Idee!

Ich probiers gerade aus, und wie es aussieht, scheint es zu klappen.

Dürft ihr gerne nachmachen.

Viel Spaß!

So eine Idee zur Ideenfindung lasse ich mir auch nicht entgehen!

So eine Idee zur Ideenfindung lasse ich mir auch nicht entgehen! Gefunden bei Galeria Kaufhof in Bielefeld.

Meine neuen Pixis sind da!

Es war eine große Freude, als die Belegexemplare der neuen Pixi-Bücher hier eintrafen. Es ist die Serie 229 “Große Abenteuer für kleine Kerle.”

Das ich als Autor drei mal in dieser Serie vertreten bin, ist schon eine große Auszeichnung für mich. An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an den Carlsen Verlag und die großartige Pixi-Cheflektorin Eleonore Gregori. Mir wird viel Vertrauen entgegengebracht, ich werde gefördert und gefordert und das trägt viel zu meinem augenblicklichen Lebensgenuss bei.

Die drei neuen Pixis (Veröffentlichungen 6,7 + 8) haben alle eine besondere Entstehungsgeschichte.

Kleiner Fisch will einen neuen Namen

Pixi-Buch Nr. 2082_ Kleiner Fisch will einen neuen Namenist das erste Pixi, das ich geschrieben habe. Es entstand im Herbst 2011. Damals dachte ich noch (etwas überheblich unwissend): Das erledige ich doch vor dem Frühstück – und das tat ich auch. Zum Glück hatte ich im Vorfeld darum gebeten, mit Kritik nicht sparsam zu sein. Schließlich wollte ich lernen. Den ersten Entwurf, den ich damals für die Endfassung hielt und dann an den Verlag schickte, konnte ich locker im Papierkorb entsorgen, nachdem ich ein Gespräch mit der Lektorin hatte. Sie fand die Idee schön, an der Umsetzung haperte es aber ein wenig. Kein Wunder hatte ich doch damals noch keine Ahnung, wie man eine Bilderbuchgeschichte, speziell ein Pixi, schreibt. Die Kritik hat mich beflügelt. Zum Glück kann ich mit Kritik umgehen, dass habe ich in fast 30 Jahren Kindertheater gelernt. Sie trifft mich niemals persönlich, weil es nicht um mich, sondern um das, was ich schreibe, geht. Es folgten noch weitere Überarbeitungen, bis schließlich die jetzige Fassung vorlag. Heute, das kann ich nach  3 ½ Jahren Lehrzeit sagen, würde ich die Geschichte anders schreiben. Als Debüt ist sie aber sehr gut und genügt den strengen Pixi-Maßstäben in jeder Beziehung. Auch die Illustrationen von Susanne Göhlich sind gut gelungen.

Dann kam:

Pixi-Buch Nr. 2080_ Ritter BertholdIch erinnere mich noch sehr genau an die Entstehungsgeschichte. Es war ein warmer Frühlingstag und ich saß in der Sonne in meiner Lieblingseisdiele. Die Geschichte floss mir in einem Rutsch aus der Feder. Kurz zuvor hatte meine Lektorin mir gesagt, ich solle mal versuchen in Reimform zu schreiben. Ich wusste nicht, dass ich das kann, hatte es niemals zuvor versucht, ja überhaupt nicht an so was gedacht und war komplett überrascht, als ich feststellte, was sich da auf dem Papier eingefunden hatte. Das Getümmel um mich herum, die Lebendigkeit, die quirlige Gruppe Erstklässler, die freundliche Bedienung, die alte Linde unter der ich saß, das alles muss etwas in mir ausgelöst haben. Für mich ein absolutes Schlüsselerlebnis mit der Erkenntnis: die besten Ideen kommen mir in der Öffentlichkeit. Seitdem schreibe ich ausschließlich in Cafés. Als ich später die wunderschönen Illustrationen von Sabine Legien sah, konnte ich es kaum erwarten, mein kleines Werk in den Händen zu halten.

Mit

Pixi-Buch Nr. 2076_ Billy Schwarzbart

habe ich mir einen Traum erfüllt. Viele Jahre habe ich meinen beiden Söhnen, den Nachbarskindern und der kompletten Kinderladengruppe Geschichten erzählt. Tag für Tag, Abend für Abend. Dabei ist ein Geschichtenzyklus um eine Piratenbande entstanden, die ich immer schon gerne in einem Buch festhalten wollte. Einen Versuch habe ich auch gemacht. Der musste natürlich scheitern, da ich nicht den Hauch einer Ahnung hatte, wie man ein Manuskript an einen Verlag verkauft. Nach 25 Absagen habe ich aufgegeben. Heute weiß ich: So schlampig, wie ich damals gearbeitet habe, war es fast schon eine Beleidigung der Lektor/-innen, so etwas überhaupt anzubieten.
Das passiert mir heute natürlich nicht mehr.
Als ich dann hörte, dass Billy Schwarzbart von Vitali Konstantinov illustriert wird, war ich völlig aus dem Häuschen. Ich kannte Arbeiten von ihm und halte ihn für einen der besten Kinderbuchillustratoren überhaupt. Okay, das ist vielleicht subjektiv, aber ich finde ihn Klasse. Billy Schwarzbart hat er genial umgesetzt und mein absolutes Lieblingspixi erschaffen. Es ist einfach toll, wenn man seine Ideen bildhaft genauso umgesetzt sieht, wie man sich das vorgestellt hatte und selbst das hat Vitali Konstantinov noch übertroffen.

Die drei Pixis sind ab sofort im Handel erhältlich. Macht euren Kinder eine kleine Freude. Es lohnt sich.