Was für ein Jahr!

2015 – Was für ein Jahr!

Einige Gedanken vorab.

Der Wahnsinn (nur kurz, aber unumgänglich)

  • Der Pariser Mordanschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo Anfang Januar 2015 riss mich mitten aus meinem kreativen Weihnachtsschreiburlaub. Nachdem sich die erste Betroffenheit etwas gelegt, das Entsetzen langsam wieder von der Normalität aufgeweicht wurde, stellte ich eine, zuerst noch leise, tief brodelnde Wut in mir fest. Dieses Gefühl hat mich das ganze Jahr über begleitet, mal stärker, mal abgeschwächter und: Es hat mich wach gehalten!
    Meine Wut richtet sich gegen Regierungen, multinational operierende Großkonzerne, skrupellose Lobbyisten und vor allem gegen die Dummheit und Empathielosigkeit der Menschen, die in solchen Institutionen sitzen und das augenblickliche Elend zu verantworten haben. Ich kann das Ganze nur als unmenschliche Gier nach Profit einordnen, die kaltblütig über Leichen geht. Menschleben zählen nicht, Zerstörung von Familien, Bevölkerungsgruppen oder ganzen Regionen und Ländern gehören heute anscheinend zur Normalität. Die Medien tragen ihren Teil dazu bei, indem sie oberflächlich über das offensichtliche Geschehen berichten, die tatsächlichen Hintergründe aber meistens dezent verschweigen.
  • Zur Flüchtlingsproblematik kann ich nur sagen: Hier bekommen die westlichen Länder die Quittung für ihre menschenverachtende Politik und ihren wirtschaftlichen Profitwahnsinn der letzten Jahrzehnte (oder mehr) und der normale Bürger darf das jetzt ausbaden.
  • Aber selbst dann, wenn kritische Journalisten/Autoren Hintergründe aufzeigen (Michael Lüders: Wer den Wind sätJürgen Todenhöfer: Inside IS oder Christoph Reuter: Die schwarze Macht) ändert das nichts an der Situation. Unsere Politiker, die ja dem Wohl des Volkes dienen sollten, ignorieren Erkenntnisse, die die Ursachen aufzeigen.
    Umdenken, neue Handlungsstrategien, darum sollte es gehen, aber vermutlich ist das zu unbequem. Es könnte ja Positionen und Pfründe gefährden.
  • Die deutschen Waffenlieferungen an Staaten wie Saudi Arabien, die den IS mitfinanzieren, der so viel Terror ausübt, dass den Menschen nichts anderes übrig bleibt, als um ihr Leben zu flüchten, halte ich für ein völkerrechtliches Verbrechen.
    Regierungen überall auf dieser Welt empfinde ich nur noch als Marionetten eines gnadenlos operierenden Kapigierlismus.
  • Auch das, in meinen Augen, kriminelle europäische Freihandelabkommen mit Afrika, zerstört Existenzen und erpresst afrikanische Staaten mit Knebelverträgen, die Armut und Elend erschaffen, anstatt zu verhindern. Die Menschen, die in großem Stil von der Europäischen Union erst zu Wirtschaftsflüchtlingen gemacht werden, an unseren Grenzen abzuweisen, wenn sie kommen, um zu überleben, ist an Widerwärtigkeit nicht mehr zu überbieten.
    Welch eine erbärmliche, europäische Politik.
  • Alle weiteren Untaten und Verbrechen aufzuzeigen, die 2015 überschattet haben, würde den Rahmen für diesen Beitrag sprengen und sind auch nicht beabsichtigt. Noch längst durchschaue ich nicht alles, aber es wird von Tag zu Tag mehr und deutlicher. Immer wieder frage ich mich: Wozu? So ein Gebaren nützt Niemandem und schadet Allen, besonders unseren Kindern und Kindeskindern.
    Damit müssen wir, muss ich, leben.
    Verdrängen, bagatellisieren, so tun, als wäre alles in Ordnung, funktioniert nicht. Die Angst vor Terroranschlägen darf uns nicht lähmen, darf nicht dazu führen, dass wir unsere mühsam erkämpften Freiheiten aufgeben oder einschränken.
    Für die nicht zu übersehenden Horrorszenarien der internationalen Politik- und Finanzverbrechen gilt das Gleiche. Auch wenn es manchmal schwerfällt, ich werde das tun, was ich tun will und mich nicht in die Resignation treiben lassen und zum kuschenden, braven Untertan mutieren. Genau dort wollen uns die Mächtigen haben. Und genauso wenig dürfen wir unsere Fähigkeit zur Empathie verlieren. Wohin das führt, demonstrieren uns ebenjene täglich in beeindruckender Weise.
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    Vielleicht können Hunderte, Tausende, ja, Millionen Gegengewichte in Gestalt einzelner Menschen doch irgendwann etwas bewirken. Das motiviert mich, treibt mich an und lässt mich das Schöne im Leben nicht vergessen
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    So, und das Leben kommt jetzt:

Februar

  • Im Kitz Magazin München erschien meine Geschichte: Fasching auf dem Bauerhof.
  • Überraschenderweise ergaben sich in diesem Monat 4 Engagements mit einem meiner Literatur-Programme: … und der Mensch versuche die Götter nicht!
    Mein Lieblingsprogramm mit klassischen, deutschen Balladen.
    Wer eine Kostprobe möchte: Balladenprogramm
    Alle Termine fanden innerhalb einer Woche statt. Ich musste mich wieder etwas in den Text einfuchsen, nach 7 Monaten Spielpause. 2 Stunden freies Sprechen (ohne Spickzettel) braucht dann doch etwas Vorbereitungszeit. Alles klappte ausgezeichnet und ich freute mich riesig, mal wieder mit Schiller & Co. auf der Bühne zu stehen.
  • Dann passierte etwas Trauriges: Ein lieber, alter Freund, den ich seit über 50 Jahren kenne, ist nach längerer Krankheit gestorben. Als mich seine Frau bat, die Trauerrede zu halten, stand ich plötzlich vor einer neuen Herausforderung. Ich habe sofort zugesagt, obwohl ich überhaupt nicht wusste, auf was ich mich da einlasse. Zum Glück hatte ich bis Mitte März Zeit.

März

  • Endlich erschienen die drei mit Spannung erwarteten Pixi-Bücher.
    Eine riesige Freude, als ich endlich die Freiexemplare in der Hand hielt

    Pixi-Buch Nr. 2076_ Billy SchwarzbartPixi-Buch Nr. 2080_ Ritter BertholdPixi-Buch Nr. 2082_ Kleiner Fisch will einen neuen Namen
  • Auch die Buchmesse in Leipzig war ein Highlight – wie immer!
    Am Tag vor der Messe hatte ich Gelegenheit die Leipziger Cafés zu testen und habe auch tatsächlich ein tolles Rauchercafé entdeckt. Das »Mephisto«.
    Bei dem Namen ist ja klar, das rauchen erlaubt sein muss.
    Cafe Mephisto

April

  • Im Kitz-Magazin München erschien: Trinchen fragt den Osterhasen
  • Ein toller Höhepunkt im April war der Creativ Campus Day vom Carlsen Verlag in Hamburg. Carlsen hatte ca. 150 Autoren, Illustratoren und Übersetzer eingeladen. Hochkarätig besetzte Workshops und Seminare rund um das Thema Buch führten durch einen tollen Tag. In den Pausen gab es Gesprächsrunden zu unterschiedlichen Themen. Für das leibliche Wohl wurde in hervorragender Weise gesorgt. Zusammen mit meiner Frau Cordula habe ich einen ereignisreichen, lehrreichen Tag erlebt, der viele neue Kontakte und Erkenntnisse gebracht hat.
    An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an das Carlsen Team.

Mai

  • Recherchereise nach England – Cornwall.
    Mein immer noch unveröffentlichtes Kinderbuch um eine wilde Bande von Kleinnagern schrie in mir nach einer Fortsetzung. Da die Antagonisten des ersten Teils aus England kommen, beschloss ich, die Fortsetzung dort spielen zu lassen. Cornwall, mit seinen vielen Schlössern und Burgen, fantastischen Gärten, dem wilden Dartmoor und anderen, unglaublich tollen Plätzen, bot sich geradezu an. Weil wir schon immer mal dorthin wollten, haben wir Nägel mit Köpfen gemacht. Halb Urlaub, halb Arbeit – eine wunderbare Kombination!
    Die Hauptprotagonistin, eine Hausmaus namens Elli, haben wir als Puppe gebaut und mitgenommen. Überall wo wir waren, habe ich sie fotografiert, damit ich mich später an alles gut erinnern kann.
    Als älterer Mann, der ständig und überall mit einer Stoffmaus rumläuft, wurde ich oft etwas merkwürdig angeschaut, was mich aber immer sehr amüsiert hat.
Elli und ich auf der FähreElli und ich auf der Fähre

Elli in den unendlichen Weiten von Dartmoor

Elli in den unendlichen Weiten von Dartmoor

Elli über den Klippen von Lands End

Elli über den Klippen von Lands End

Elli im "Men an Tol"Elli im “Men an Tol”

Elli hat neue Freunde

Elli hat neue Freunde

Elli und die Kanonen von St. Michael Mount

Elli und die Kanonen von St. Michael Mount

Ich glaube, Recherchereisen gefallen mir. Wiederholungen sind vorprogrammiert.
Ob ich aber überhaupt den ersten Band des Buches fertigstellen kann und will, weiß ich noch nicht. Vier Lektorinnen kamen unabhängig zu dem selben Ergebnis: Die Geschichte ist gut geschrieben, allerdings sprachlich zu anspruchsvoll für die Zielgruppe 8-9 Jahre. Für die Gruppe der 10-12jährigen ist die Sprache okay, dafür aber die Thematik nicht mehr interessant. Ich muss es also umschreiben. Ob, wann und wie ich das mache, weiß ich noch nicht.

Juni

  • Im Kitz Magazin München erschien meine Geschichte: Das reiselustige Zeb(e)ra
  • Mit einer Freundin, die ebenfalls schreibt und schon einiges veröffentlich hat, wurde die Idee für ein Buch geboren.
    Wir konnten einen Verlag für unsere Idee begeistern und das Buch verkaufen. Genaueres darf ich leider noch nicht erzählen. Nur soviel: Das Buch erscheint im Herbst 2016. Meine Aufgabe bestand darin, 18 Kurzgeschichten zu schreiben.
    Abgabetermin war Anfang November, aber wir waren schon etwas früher fertig.
  • Nach fast 1 ½ Jahren habe ich die von mir gegründete Schreibwerkstatt aufgelöst.
    Ich war zu stark in die Rolle des Lehrers gerutscht, was ich nicht wollte und auch nicht vernünftig ausfüllen konnte. Die Gruppe hatte sich zum Glück stabil entwickelt und macht nun ohne mich weiter.

Juli

  • Im Juli fand die jährliche Sommerakademie im Steinbruch in Borgholzhausen statt. Meine Frau besuchte einen Workshop »Skulpturenbau aus Beton«. Ich sagte alle Termine ab und plante eine intensive Schreibwoche. Der Steinbruch ist groß und es gibt viele schöne Plätze zum Arbeiten. Leider hatte ich den Hausmeister nicht auf dem Schirm. Da ich in keinem Kurs eingeschrieben war, quasi selbstständig arbeiten wollte, stellte ich für ihn einen Störfaktor dar, den er nicht in sein Weltbild integrieren konnte. Er legte mir nahe, zu verschwinden. Die Akademieleiterin entschuldigte sich zwar am anderen Tag, aber da dieser Mensch mich immer aufdringlich beäugte, zog ich es vor,  die restlichen Tage in meinem Lieblingscafé zu verbringen. Das war entspannter und ebenfalls sehr produktiv.

August

  • Im Kitz Magazin München erschien meine Geschichte: Torkel Rumpelstein wird Ritter
  • Eine Woche Urlaub an der holländischen Küste. Ich habe nicht ein Wort geschrieben, dafür aber mehrere Bücher gelesen. Mal was anderes.

September

  • Dieser Monat ist immer der arbeitsreichste des ganzen Jahres. 80 – 100 Engagements mit unserem Puppentheater und anderen Aktivitäten brauchen wir im Jahr, um über die Runden zu kommen. Im September artet das fast in Stress aus – aber nur fast! Wir sind ja relaxte Profis! Trotzdem verzichte ich nie auf das wöchentliche Autorentreffen mit einer lieben Kollegin. Es bringt immer wieder neue Ideen. Mehrere Buchprojekte geistern durch unsere Köpfe und ich bin sicher, dass wir einiges davon realisieren werden.

Oktober

  • Im Kitz Magazin München erschien meine Geschichte: Trille Grauschwanz
  • Mehrere Auftritte als Ballonkünstler in Flüchtlingsunterkünften ziehen sich durch den Monat und wir werden hautnah mit der Problematik konfrontiert. Diese Erfahrungen möchten meine Frau und ich nicht missen und wir werden auch zukünftig in diesem Bereich arbeiten.
  • Dann die Frankfurter Buchmesse. Ich lerne Vitali Konstantinov kennen. Ein wundervoller Illustrator, der mein Pixi-Buch »Billy Schwarzbart« illustriert hat.
  • Mein Pixi-Buch »Der Mondfrosch im Ofenrohr« erscheint.
    Cover Mondfrosch

November

  • Das internationale Treffen der Ballonkünstler, die »Balloon Jam Hamburg« steht an.
    17 Jahre war ich Mitorganisator und Verantwortlicher. Jetzt bin ich nur noch Gast und Teilnehmer. Aus Spaß gebe ich ein kleines Marketing-Seminar für Kleinkünstler. Ansonsten genieße ich die Tage, ohne etwas leisten zu müssen.
    Schaue bei Carlsen vorbei und treffe mich mit meiner Pixi Lektorin.
  • Der Pixi Adventskalender (Tschibo Variante) erscheint und ich bekomme endlich mein Pixi-Buch: »Die verlorenen Flügel« zu sehen.
    Cover Verlorene Flügel
  • Dann überschattet ein weiterer Todesfall unser Leben. Ein lieber Freund, mit dem ich auf der Balloon Jam in Hamburg noch rauchend und lachend  zusammengesessen habe, stirbt bei einem tragischen Autounfall. Zum Glück haben wir zwei freie Tage und können nach Süddeutschland zur Beerdigung fahren. Zusammen mit vielen Freunden und Künstlerkolleg*innen können wir uns verabschieden. Es war sehr, sehr traurig.

Dezember

  • Im Kitz Magazin München erschien meine Geschichte: Gespensterweihnacht
    Da ich noch alle Rechte an der Geschichte habe, veröffentliche ich sie hier.
    Gespensterweihnacht – Eine lustig-gruselige Geschichte für Kinder
  • Im Weihnachtsmonat standen viele Auftritte mit dem Puppentheater auf dem Programm, die wir glücklicherweise alle bei erstklassigem Wetter auf verschiedenen Weihnachtsmärkten  durchführen konnten.
    Pressefoto 1 TurmTheater-Web
  • Ein sehr schönes Highlight zum Jahresabschluss war eine Kinderbuchlesung in einer Grundschule. Die Kinder waren klasse! Einige hatten, nachdem sie erfahren hatten, dass ich komme, in den örtlichen Buchhandlungen nach Pixi-Büchern von mir gesucht.
    Klar, dass es dann eine Signierstunde gab. Ich hatte ebenfalls etliche Exemplare eingepackt und niemand ging leer aus.

                         PL1  PL2

und dann war da noch:

  • Mein E-Book: Von Schrottels, verliebten Gespenstern und wilden Kindern.ebook cover
    Kurz gesagt: Es floppt! Vermutlich liegt es am Cover. Das ist zwar professionell gemacht, scheint aber thematisch nicht anzusprechen. Sobald ich etwas Geld übrig habe, werde ich das ändern. Auch einige Illustrationen im Inneren wären nicht schlecht gewesen. Es war ein erster Gehversuch auf diesem Markt. Jetzt weiß ich etwas mehr und werde beim nächsten Projekt anders vorgehen.
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  • Facebook und Twitter
    450 Follower und 1020 Freunde in einem Jahr scheint eine ganz gute Bilanz zu sein. Inwieweit das meinem Autorenleben wirklich nützt, kann ich noch nicht so genau absehen. Ein paar nette und interessante Menschen habe ich kennengelernt. Das freut mich natürlich.
    Trotzdem werde ich die Zeit, die ich auf diesen Plattformen verbringe, weiter reduzieren. Wenn man nicht aufpasst, sind das gefährliche Zeiträuber.
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  • Das personalisierte Kinderbuch
    Für einen kleinen Verlag habe ich ein personalisiertes Kinderbuch geschrieben. In solchen Büchern kann man die Namen der Hauptprotagonisten durch eigene Namen (Söhne oder Töchter) ersetzen lassen. Wann das Buch erscheint ist noch unklar. Sobald es da ist, stelle ich es hier vor.
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  • Buch für Erstleser
    Im Herbst habe ich mein erstes Buch für Erstleser geschrieben. Meinem Hausverlag gefiel der Text. Leider stellen sie gerade die Erstleserreihe ein. Jetzt liegt das Manuskript einer Agentur zur Prüfung vor. Ich hoffe auf eine baldige Entscheidung.
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  • Kinderbuchlesungen
    Viele Kinderbuchlesungen, die ich besucht habe, waren sehr enttäuschend. Besonders die Lesungen auf Buchmessen ließen sehr zu wünschen übrig. Habe ein Konzept für ein Sachbuch entworfen und möchte aufzeigen wie Lesungen für Kinder sein sollten. Die Realisierung steht noch aus, da es sich als sehr umfangreiches Projekt herausstellte. Ob mir in 2016 genug Zeit dafür bleibt, kann ich im Augenblick noch nicht übersehen, hoffe es aber.
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  • Das wars!!!

Es war ein ereignisreiches Jahr und hat deutlich gezeigt, dass man sich allen Dingen, die einem begegnen, stellen sollte. Manchmal schmerzte es, manchmal taumelte ich in Glücksgefühlen und oft hat es mich sehr nachdenklich gemacht.

Solange ich meine Arbeit als Puppenspieler, Luftballonkünstler und Autor für Kinder machen kann und es schaffe, wach zu bleiben, ist alles gut!

Ich wünsche euch allen ein schönes und erfolgreiches 2016.

Rü Blog

 

 

Ein Gedanke zu “Was für ein Jahr!

  1. Da war ganz schön was los! Toll!

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