Der siebenjährige Dichter – Arthur Rimbaud

Von Zeit zu Zeit stelle ich hier Gedichte vor, die mich besonders beeindruckt haben. Versucht, sie auswendig zu lernen oder zumindest laut zu lesen. Das erhöht die Wirkung nochmal um ein Vielfaches.

Arthur Rimbaud
1854 – 1891

Übersetzung Paul Zech/Freie Bearbeitung Klaus Kinski

Der siebenjährige Dichter

Und die Mutter klappe endlich das Schulbuch zu
ging fort,
sehr stolz,
sah nicht in zufriedner Ruh
in den blauen Augen, hinter einer Stirn voll Pocken
ihres Kindes Seele in Ekel sich verstocken.

Er schwitze vor gehorsam den ganzen Tag,
war sehr intelligent
doch schwarzes Zucken und anderes mehr
schien auf bittere Heuchelein in ihm zu deuten
in den muffigen Gängen streckte er den Leuten, die Fäuste in den Hüften,
die Zunge raus
und mit geschlossnen Augen sah er Funkenbraus.

Ging eine Tür des abends auf, beim Schein der Lampe
Dann sah man ihn, der stöhnte, oben auf der Rampe
in einem Lichtgolf der vom Dache hing

Wenn vom Geruch des Tages reingewaschen
der Garten hinterm Haus erglomm
im milchigem Gesause weißer Nacht
lag er an einer Mauer,
tief gekauert im feuchten Lehm
in wirren Augen wühlend
seherisch durchschauert

und gar in Sommerhitze
schlapp voll Trotz
schloß er sich ein im kühlen Häuschen der Latrine.
Dort sann er nach, die Nase voll – mit stiller Miene.

Mit sieben Jahren, von der Wüste grenzenlosem Plane, auf dem verzückt die Freiheit glänzt, schrieb er Romane.

Savannen, Wälder, Strand, von Sonnenglut umloht,
er half mit Bilderheften sich
drin sah er rot von italienischer und spanischer Frauen lachender Laune

Er träumte die in Liebe wogende Prärie, Gedränge von lichtem Gras,
wo starker Duft und schwarzer Flaum
zur Höhe tragend
ruhig – kreisend
seinen Traum

Des Nachts im Bette litt er schwere Qualen

Gott liebte er nicht

Doch wenn im Kattunrock die tolle Augenbraune
acht Jahre alt
das Arbeiterkind von nebenan
die kleine Brutale kam,
ihm dann in der Ecke auf den Rücken sprang,
das die Zöpfe sich lösten und er unter ihr lag,
biß er in die entblößten Schenkel sie
denn Höschen hatte sie nie gekannt.

Und arg zerschunden an Verse und Hand
trug er den Geschmack ihrer Haut in seine Kammer

und wenn er dann allein liegt
in dem engen schwülen Raum
formt rasend er Romane, immer neu

von schweren gelben Himmeln
überschwemmten Wäldern
Fleischblumen breit entfaltet in den Sternenfeldern
Rauchtaumel, Flucht, Trümmer und Erbarmen.

Und während draußen, unten, das Geräusch der Stadt erscholl
lag er allein
nackt auf dem groben Lacken
die Sinne aufgepeitscht
und toll den Leib gebäumt

die Augen mit den Fäusten eingedrückt.

Allein……. und schauernd, die Segel ahnend in den heiß erregten Sinnen.

R.P. spricht Rimbaud

R.P. spricht Rimbaud

Was erfährt man auf diesem Blog?

20.50 Uhr

Arbeitsplatz im Frühlingsherbst

Arbeitsplatz im Frühlingsherbst

Als Schreiberlehrling (Beginn der Schreiberei Herbst 2011) habe ich diesen Blog ins Leben gerufen, um ein wenig zu dokumentieren was ich so mache, welche Fortschritte und/oder Erfolge ich erziele. Ich muss vom Schreiben nicht leben, betreibe es aber so, als müsste ich.

Zuerst mal: Es macht mir Spaß. Als Betreiber einer Puppenbühne schreibe ich seit 1986 meine Theaterstücke selbst. Aber das kann man nicht mit dem Schreiben von Geschichten vergleichen, die andere lesen sollen.

Um für andere interessant und unterhaltsam zu schreiben, sollte man sich bemühen, die notwendigen, handwerklichen Fähigkeiten zu erlernen, die das Schreibhandwerk erfordert. Klar, es gibt jede Menge Menschen, ist einfach drauflos schreiben (manchmal ist das sogar ziemlich gut) oder einen experimentellen Stil produzieren. Das übersteigt allerdings meine Kapazitäten. Ich habe zwar alles, was ich bisher in meinem Leben gemacht habe, als Autodidakt erlernt, aber wer nicht weiß, wie man eine Figur hält oder eine bestimmte Stimme kreiert, kann auch nicht als Puppenspieler arbeiten.

Das gilt für mich und das Schreiben betrachte ich genauso. Immer nach dem Prinzip: Erst mal die Regel beherrschen – dann kann man immer noch ausbrechen.

Dass ich meinen Start mit Pixi Büchern im Carlsen Verlag machen konnte, war ein großer Glücksfall. Meine Lektorin nahm grundsätzlich kein Blatt vor den Mund (das hatte ich auch erbeten) und trieb mich dadurch ständig vorwärts.

Kurze Geschichten zu schreiben (Pixi Geschichten sind selten länger als 3200 Zeichen inkl. Leerzeichen) ist eine sehr gute Schule, um auf den Punkt zu kommen. Für Überflüssiges ist da kein Platz. Auf wenig Raum eine Idee umzusetzen, guter Start, klarer Plot, Höhepunkt, Abschluss – das ist eine ausgezeichnete Übung. Das erlernte Wissen lässt sich auch bei längeren Geschichten und Romanen umsetzen.

Nach zwei Jahren Pixi und einigen Veröffentlichungen (mittlerweile 5 — 2015 kommen die nächsten 4) begann ich im März 2013 mit meinem ersten Kinderbuch.

Ach ja, zwischendurch gelang es mir noch ein paar Geschichten bei verschiedenen Zeitungen unterzubringen.

http://www.ruedigerpaulsen.de/veroeffentlichungen/

Zurück zum Kinderbuch:

Ich stellte fest, dass ich keine Lust hatte, einen ausführlichen Plot zu entwerfen. Immer wenn ich eine Scene genau entworfen hatte, stellte ich beim Schreiben fest, dass es mich langweilte. Ich wusste ja schon genau, wo es lang ging. Das ließ mir keinen Raum für Überraschungen und Abenteuer.

Wenn meine Protagonisten (eine Gruppe von Kleinnagern) eine gefährliche Reise antreten, bei der sie unbekanntes Gebiet durchqueren müssen, reise ich natürlich mit. Ich kann und will vorher nicht wissen, was sie erleben, welche Schwierigkeiten sie bewältigen müssen. Ich lass mich überraschen. Wo sie hin wollen, weiß ich natürlich, aber was auf ihrem Weg alles passiert? Woher soll ich das vorher wissen?

Außerdem, und das finde ich sehr spannend, entwickeln meine Protagonisten nach relativ kurzer Zeit ein Eigenleben. Es kommt vor, dass ich ihre Antagonisten auftreten lasse, um sie mit etwas besonders Fiesem zu ärgern und sie lösen das Problem auf ihre Weise. Aus einer gefährlichen Schleiereule, die ihnen in einer alten Ruine auflauert, wird plötzlich ein ausgestopftes Exemplar, das die ehemaligen Bewohner zurückgelassen haben. Die Situation wird lustig, die Eskalation bleibt aus. Darauf wäre ich nicht gekommen.

Natürlich lass ich das nicht auf mir sitzen und konfrontiere sie umgehend mit anderen Situationen, mit denen sie nicht gerechnet haben und sich beweisen müssen. Oft treibe ich sie bis an ihre Grenzen, aber bisher haben sie sich wacker geschlagen. Natürlich belohne ich sie, wenn sie besonders großartig waren.

Einmal, nach einer besonders anstrengenden Aktion, hatte ich die Belohnung vergessen. Aber die Kleinen passen auf. Ohne mir zu sagen, was er vorhatte, verschwand plötzlich einer. Als er nach Stunden wieder auftauchte, hatte er ein Floss gebaut, mit dem sich die Rückkehr nach Hause erheblich bequemer gestalten ließ.

Okay, ich hab dann schnell ein paar heftige Stromschnellen eingebaut. Ätsch!

Ich glaube, die kleinen Kerle finden das gut.

Das Buch war im Winter 2013 fertig.

Die Tochter von Freunden, eine äußerst clevere 17jährige, bot sich an, Test- und Korrektur zu lesen. Was sie dann allerdings machte, war ein erstklassiges Lektorat!

Sie strich langweilige Stellen, machte mich auf Unklarheiten und Wiederholungen aufmerksam, überlegte sich, wie sich die Spannung steigern ließ, und wies mich auf Ungenauigkeiten hin. Außerdem eliminierte sie einiges an Rechtschreib- und Interpunktionsfehlern. (Samia, hier nochmals mein Dank für Deine großartige Arbeit)

Meine Lektorin bei Carlsen, der ich das Buch natürlich vorlegte, war beeindruckt und bemerkte: gut lektoriert.

Okay, Carlsen hat das Buch nicht genommen, wohl aber einige erstklassige Anmerkungen gemacht, was sich noch verbessern ließe.

Was kann einem Anfänger Besseres passieren. Im Frühjahr 2014 war die Überarbeitung abgeschlossen. Ich ließ es noch einmal Testlesen, arbeitete Sinnvolles ein und dann, ja, dann beschloss ich, dass es nun wirklich fertig ist.

Zurzeit liegt es bei einer Agentur zur Begutachtung. Ich warte …

Nun ist es aber so, dass ich täglich etwas Neues über das Schreiben lerne und ich rechne damit, dass ich wohl noch mal ran muss. Aber das ist in Ordnung. Sollte ich eine Absage von der Agentur bekommen, werde ich es wohl als Self-Publisher auf den Markt bringen. Ich checke gerade alle Möglichkeiten ab und teste, ob das mein Weg sein kann.

Ich werde berichten, wie es weitergeht.

Zwei weitere, längere Kinderbücher sind in Arbeit.

Zwischendurch natürlich immer wieder kleine Bilderbuchgeschichten. Nachdem ich gestern die Ostergeschichten abgeschickt habe, sind jetzt ein paar Weihnachtsgeschichten an der Reihe.

Heute Nachmittag habe ich zwei in der ersten Version geschrieben. Natürlich in einem gemütlichen Cafe, in dem man heute noch draußen in der Sonne sitzen konnte.

Am 01. November in der Sonne!

Am 01. November in der Sonne!

Ja, das ist es, was ihr hier erfahren könnt. Was ich schreibe, was ich dabei erlebe, was ich lerne. Ab und an kommen auch mal ganz gute Erkenntnisse ans Tageslicht, die ich gerne weitergebe.

Mal sehn, wie sich das Ganze entwickelt.

Soviel für heute.