Fremde Texte mit Papyrus überarbeiten und dabei lernen

Papyrus ist ein Schreibprogramm für Autoren, mit dem ich besonders gerne arbeite. Ich will jetzt nicht alle Vorzüge aufzählen, dass würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen, einfach den Link anklicken und schlaumachen. Für Autor/-innen kann ich es nur wärmstens empfehlen. Besonders hilfreich ist die Stilanalyse, die auf Ideen von Andreas Eschbach aufbaut. Ist ein Text oder ein Textteil fertig und man ist der Meinung, sein Bestes gegeben zu haben, schaltet man sie ein.
Jetzt kann man nach Schwachstellen suchen: Wortwiederholungen, schwache Verben, Adjektive/Adverbien, Füllwörter, veralterten Formulierungen, Lesbarkeit und vieles mehr.
Ich habe jetzt für mich eine weitere Möglichkeit entdeckt, mit und von diesem Programm zu lernen.
Ich hatte ja bereits darauf hingewiesen, dass ich es für sinnvoll halte, Texte anderer Autoren zur Übung abzuschreiben. Dabei kann man sozusagen tiefer in das Geschriebene eindringen und unter Umständen erkennen, was der Autor wie gemacht hat. Der Lerneffekt ist ziemlich groß, auch wenn es viel Arbeit ist.
Ich schreibe jetzt ab und zu fremde Texte in das Papyrus Programm und schaue mir an, was die Stilanalyse dazu sagt.
Besonders dann, wenn mir der Text von vorneherein nicht gefallen hat, schreibe ich ihn um oder neu. Das ist eine gute Übung, weil man den Text ja nicht selbst geschrieben hat und somit der bekannten Betriebsblindheit nicht so ausgeliefert ist. Man sieht klarer, was da geschrieben wurde und entwickelt unbefangener Alternativen.
Das Gegenteil passiert natürlich auch: Ich finde einen Text Klasse aber, die Stilanalyse zeigt mir jede Menge Schwächen auf.
Daran sieht man dann sehr schön, dass es immer auf das Gesamte ankommt. Das Ausmerzen der viel gescholtenen Adjektive und Adverbien muss nicht immer zu einer Textverbesserung führen. J.K.Rowling z.B. scheint sie zu lieben, verwendet sie sehr häufig und ihr Erfolg gibt ihr Recht. Ähnlich ist es mit Füllwörtern oder schwachen Verben. Es gibt gute Texte, die etwas zu viel davon haben und trotzdem nicht darunter leiden. Man sieht sehr schön, dass all die guten Ratschläge aus den Schreibratgebern immer mit einer selbstkritischen Distanz betrachtet werden sollten.
Ich finde das sehr spannend und lehrreich, zumindest in meiner Position des Lernenden.
Da ich sowieso jeden Tag schreibe, nehme ich mir ab und an gerne eine halbe Stunde um mich in andere Texte einzugraben und dabei von denen zu lernen, die es anders (besser oder schlechter) machen.
Ein wunderbarer Nebeneffekt von Papyrus.
Mir macht das viel Spaß.
Wer das Programm nicht kennt: Die kleine Investition lohnt sich.

Rü-01.12.14-3

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