Gespensterweihnacht – Eine Kindergeschichte

Gespensterweihnacht

Eine Geschichte von Rüdiger Paulsen

Burg Klapperstein im Weserland,
als Geisterburg ist sie bekannt.
Da spukt, seit hundert Jahren schon,
Frau Gruselgeist mit Mann und Sohn.
Zu ihrem Glück fehlt ganz allein,
ein Gruselgeistertöchterlein.

Der kleine Sohn Wirftlampeum,
spukt nicht nur in der Nacht herum.
Er liebt die Tagesgeisterei,
mit schaurig schönem Geisterschrei.
Dann gruseln sich auf Klapperstein,
die Menschen – und so soll es sein.

Zum Weihnachtsfest in jedem Jahr,
gibt es Geschenke, hört er da.
Er denkt: Ich bin so viel allein,
wie schön wär doch ein Schwesterlein.
Er grübelt, denkt und strengt sich an,
und schließlich hat er einen Plan.

Er geistert nachts beim Mondenschein,
ins Schlafgemach von Klapperstein.
Herr Graf, Frau Gräfin schlafen tief,
das Bettlaken hängt etwas schief.
Er zupfelt, ruckelt und dann schwubbs,
das Laken aus dem Bett ist futsch.

Die Beute schleppt er durch die Nacht,
doch wird die Burg sehr gut bewacht.
Der Wachhund Carlo streunt umher,
und was er sieht verwirrt ihn sehr:
Zwei weiße Tücher schweben stumm,
im Rittersaal der Burg herum.

Das ist dem armen Hund zu viel,
wild schnappt er nach dem Geisterziel.
Vergebens – und dann bellt er laut,
Wirftlampeum ist nicht erbaut.
Das Betttuch, seine fette Beute,
gibt er nicht her, die braucht er heute.

Zur Decke geistert er galant,
das Betttuch fest in Geisterhand.
Der arme Hund versteht nichts mehr,
und springt der Beute hinterher.
Er springt vorbei und das ist dumm,
er landet im Aquarium.

Das Wasser spritzt, schlägt hohe Wellen,
und Carlo japst, er kann nicht bellen.
Die Fischlein sind ganz blass vor Schreck,
verstecken sich im letzten Eck.
Der Wachhund paddelt wild umher,
er liebt das Wasser nicht so sehr.

Dann springt er raus und schüttelt sich,
ein Fischlein landet auf dem Tisch.
Schlägt mit dem Schwanz und zappelt doll,
Carlo weiß, das ist nicht toll.
Behutsam und mit viel Geschick,
wirft er das Zappeltier zurück.

Der Geistersohn von Klapperstein,
ist unterdessen schon daheim.
Hoch oben, hinter Turmeszinnen,
ist er vor Freude fast von Sinnen
und bastelt aus der weißen Decke,
die kleine Schwester Gruselschnecke.

«Du bist», so spricht er freundlich fein,
«mein Gruselgeisterschwesterlein.
Und für die Eltern, das bedenk,
bist du zur Weihnacht das Geschenk.
Ich bringe dir jetzt schnell noch bei,
das Einmaleins der Geisterei.»

Gemeinsam spuken sie herum,
Wirftlampeum wirft Lampe um.
Sie geistern gruselig umher,
doch Gruselschnecke will noch mehr.
Sie klatscht vor Freude in die Hände,
und geistert fesch durch dicke Wände.

Im Rittersaal, in einer Ecke,
trifft Carlo auf die Gruselschnecke.
Er schaut gelangweilt dran vorbei
und ignoriert die Geisterei.
Er blickt sich nicht mal nach ihr um,
er denkt nur ans Aquarium.

Am Weihnachtstag auf Klapperstein,
feiert man bei Kerzenschein.
Der Graf schenkt seiner lieben Frau,
ein neues Betttuch – Silbergrau!
Und oben, hoch im Turmverstecke,
freut man sich über Gruselschnecke.

«Mein lieber Sohn», sagt der Papa,
«so ein Geschenk ist wunderbar.»
Und Mama Gruselgeist ruft laut:
«Jetzt geistern wir, das Allen graut.»
Und seitdem gibt`s auf Klapperstein,
Familiengruselgeisterrein.

 

 

 

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