Prinzessin: Pink vs Punk oder was sonst noch geht

Können Männer Prinzessinnen-Geschichten schreiben?

Kurze Vorgeschichte:

Ich hatte schon häufiger Überlegungen zu einer schönen Prinzessinnen-Geschichte angestellt, leider ohne Erfolg. Der zündende Gedanke stellte sich nicht ein.
Ich wollte vorbereitet sein, etwas in petto haben, aber wie gesagt: Es kam nichts.
Also legte ich eine Datei an und sammelte alles, was mir zum Thema Prinzessin einfiel. Im Laufe von einigen Wochen trug ich etliches zusammen. Dummerweise war das Meiste bereits tausendfach in ähnlichen Geschichten verarbeitet worden und inspirierte mich nicht sonderlich.

Nun gut, es gab keinen Auftrag, keinen Druck und so geriet die Sache in Vergessenheit.

Und dann kam der Anruf!

1. Tag

«Hast du eine Prinzessinnen-Geschichte auf Lager?
«Äh, nein.»
«Könntest du schnell eine schreiben?»
«Äh, ja. Was heißt schnell?»
«Naja, eine Woche?»
«Okay! Ich melde mich.»

Also los.
Klar war mir, ich wollte eine fetzige, freche Protagonistin. Wild, vielleicht etwas punkig, unangepasst und auf keinen Fall in Lila-Pink.

Meine Recherche ernüchterte mich schnell.
Es gab schon reichlich Geschichten mit Anti-Prinzessinnen.
Prinzessinnen die Widerworte gaben, sich schmutzig machten, frech und vorlaut waren, kurz, die gegen die üblichen Klischees verstießen und sich wie normale Kinder verhielten.

2. Tag
Ich entwickelte trotzdem ein sympathisch, liebenswertes Großmaul, überlegte mir einen Plot und:
Enter und weg.

Anruf:
«Nein, nein! Bitte keine Anti-Prinzessin. Davon habe ich genug. Kleine Mädchen stehen nun mal auf echte Prinzessinnen, auf Lila, Rosa, Pink und Glitzer. Diesen Wunsch möchten wir gerne bedienen.»

«Okay. Ich melde mich.»

Mist! Was nun?

2.  Tag Rest
Wie schreibe ich eine Geschichte, mit einer Prinzessin im Lila-pink-Glitzer-Modus, ohne mich der bekannten Lillifee oder ähnlichen Figuren zu sehr anzunähern und, wichtig: ohne mich selbst zu verraten, indem ich etwas schreibe, das ich eigentlich so gar nicht vertreten kann und will.

Grübel, grübel.

3. Tag

Grübel, grübel.

Noch nie ist es mir passiert, dass ich zu einem Thema keine Geschichte aufs Papier gebracht habe. (Ärger-Grummel)

Es nützte nichts, ich gab auf.

3. Tag Mittag

Meine Frau kommt rein, wirft einen Blick auf meine Geschreibselversuche.
Ich erkläre mich und meine Verzweiflung.
Sie zieht sich zurück und Minuten später höre ich aus dem Nebenzimmer:
«Du, ich hätte da eine Idee.»

Ihre Idee war genial!

3. Tag – später Nachmittag

Plot fertig – Enter und weg.

Und dann schreiben, schreiben, schreiben …
Ich entschied mich für eine Geschichte in Reimform. Ich mag Reime und weiß, dass Kinder das ebenfalls sehr mögen.

Die Geschichte purzelte mir aus dem Stift. Ich hämmerte sie in den Rechner,
verbesserte, korrigierte, verbesserte usw.
Zwei Stunden später hatte ich eine brauchbare Version.

Jetzt der Titel.

Ich wollte einen Titel, der das Wort Prinzessin nicht enthalten sollte und schnell tauchte eine schöne Idee auf. Vermutlich, weil ich Astrid Lindgren liebe.

Dann:

3. Tag früher Abend

Anruf:
«Ach ne. Ich glaube, der Plot trägt nicht so richtig. Ich seh keinen Spannungsbogen. Worauf soll das hinauslaufen? Höhepunkt? Ich weiß nicht.»
«Warte, ich mail dir mal was rüber.»
Enter und weg.

Von wegen kein Spannungsbogen! Soll sie erst mal die komplette Geschichte lesen.

Und das tat sie, und zwar schnell.

3. Tag 50 Minuten später

Anruf:
«Sehr schön! Gekauft. Etwas feilen müssen wir noch, aber im großen Ganzen okay.»

Meine Lektorin hat eine wunderbare Gabe:
Wenn sie etwas nicht so toll findet oder sich bei bestimmten Themen, die ich ihr anbiete, nicht sicher ist, sagt sie: «Okay, überzeug mich!»
Und damit kitzelt sie erfolgreich an meinem Ehrgeiz.
Ich mag das.

Gut, aber was ist jetzt dabei rausgekommen?

Das hier:

Serafina Königstochter

Carlsen Verlag Hambug
Pixi-Serie 224 “Pixis Prinzessinnen-Parade”
Kassetten ISBN 978-3-551-05224-7
Autoren: Cordula und Rüdiger Paulsen
Illustration: Fariba Gholizadeh

Zum Inhalt:
Prinzessin Serafina wird sechs und kommt in die Schule. Zu ihrem Geburtstag lädt sie ihre besten Freundinnen aufs Schloss ein. Die Mädchen werden mit einer Königskutsche abgeholt. Als sie die Kleiderkammer von Serafina sehen, sind sie völlig aus dem Häuschen. Serafina schlägt vor, alle dürfen sich ein Kleid aussuchen. König und Königin haben plötzlich nicht eine, sondern sieben Töchter.
Die Freundinnen dürfen für einen Tag und eine Nacht Prinzessin sein. Am nächsten Tag, nach dem Frühstück, werden sie mit der Kutsche zurückgebracht. Das war für alle  ein schöner, unvergesslicher Tag.

Ich habe also eine Lila-Pink Prinzessinnen-Geschichte geschrieben, ohne mich verbiegen zu müssen und ohne die üblichen Klischees übermäßig zu strapazieren. Damit kann ich leben.

Es war ein kurzer, sehr spannender Arbeitsprozess.
Das Pixi-Buch «Serafina Königstochter» erschien im Sommer 2014.

Ein Gedanke zu “Prinzessin: Pink vs Punk oder was sonst noch geht

  1. Servus Rüdiger,

    gefällt mir, diese Entstehungsgeschichte.
    Mit “Sommer der lachenden Kühe” hab ich jetzt auch angefangen. Liest sich gut! Schön auch, dass Tevetti Vermesser ist, wie meine Frau. Nur die Ortsnamen bereiten mir Probleme 😉

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