Schreibwettbewerbe mit Altersbegrenzung???

Schreibwettbewerbe mit Altersbegrenzung???

Der Versuch einer Glosse.

Also, es mag ja sein, dass ich mit meinen folgenden Überlegungen völlig falsch liege, aber anscheinend bin ich noch nicht so tief in die Welt des Schreibens, besser gesagt des Büchermachens, eingedrungen, um das zu verstehen.

Immer wieder hörte/las ich, in den letzten Monaten, dass es sinnvoll sei, sich an Schreibwettbewerben zu beteiligen.
Gute Übung, klar und gleichzeitig eine Möglichkeit für Newcomer, auf sich aufmerksam zu machen. Keine Frage, das leuchtete mir ein.
Sollte man gar einen Preis gewinnen, ließe sich die eigene Vita bei Verlagsanschreiben entsprechend aufhübschen.

Zugegeben, das hat mich jetzt nicht sonderlich umgehauen und ich bin auch nicht in unkontrollierten Begeisterungstaumel verfallen, aber als Anfänger tut man gut daran, sich den Tipps von Erfahrenen der Zunft nicht von vorneherein zu verschließen.

Aber jetzt irgend son Zeugs zu schreiben, nur um mir vielleicht eine Siegerplakette an die Stirn zu heften? – Nicht das, was mich wirklich interessierte.
Andererseits, ich bin ja lernfähig, erkannte ich schnell den Sinn hinter dem Ganzen: eine gute Übung. Und da ich sowieso fast täglich etwas schreibe, warum nicht mal eine Herausforderung annehmen, auch wenn mich das Thema nicht unbedingt vom Hocker haut.

Also los!

Moment, ganz so einfach ist das nun auch nicht.

Erstaunt stellte ich fest: Ich darf ich nicht überall mitmachen.
Warum?
Ich bin denen zu alt!

Ich lese ja gerne, viel und genau zwischen den Zeilen und da schallte es mir unüberhörbar entgegen: «Lass gut sein Opa, das ist jetzt nicht wirklich was für Dich.
Hier sind junge, frische, unverbrauchte Kräfte gefragt. Modern, weltoffen und vom «New Lifestyle» durchdrungen.

Zugegeben, die ausgewählten Siegertexte vergangener Wettbewerbe, die ich zum Beispiel in der Federwelt lesen durfte, erschließen sich mir auch nicht wirklich. Zum Glück sind es überwiegend Kurzgeschichten, da muss man sich meistens nur 2 bis 3 Seiten mit Unverständnis rumschlagen. Richtige Begeisterung kommt selten auf.
Also Opa … kapiert?
(Dabei bin ich noch nicht mal Opa. Meine Jungs sind diesbezüglich einfach zu faul.)

Ob die vielleicht wissen, dass ich kein I-Pad Dingsbums habe, nicht genau weiß was Whats App bedeutet, nur mühsam das Schreiben von SMS erlernt habe und wahrlich kein Computer-Freak bin?
Vielleicht hat mich auch jemand im Café gesehen und festgestellt, dass ich altmodisch mit Stift auf Papier schreibe.

Keine Panik Leute, bevor ich was abschicke, tipp ich das natürlich in den Rechner und ich weiß sogar, was eine Normseite ist und wie die formatiert sein muss! Also, Papierrollen wie von Jack Kerouac sind nicht zu befürchten.

Mit 64 wird man wohl in die Kategorie Scheintod eingeordnet, als jemand, von dem nicht mehr allzu viel zu erwarten ist.

Vermutlich möchte man mit den Gewinnern auf die eine oder andere Art noch Geschäfte machen, sprich: an und mit ihnen verdienen und da ist der zeitliche Rahmen, den ein 64er noch zu bieten hat, nicht mehr so großzügig bemessen.

Okay, durchaus Verständnis habe ich, wenn es darum geht, die schriftstellerischen Fähigkeiten von jungen Menschen auszuloten und die Teilnehmer/-innen unter 18 sein sollen.

Aber dann so Sachen wie: Teilnehmen können Personen bis 25 Jahre / unter 35 Jahre / bis 51 Jahre / bis 40 Jahre usw usw.

Was soll das?

Gut, ich könnte beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb mitmachen, da scheint es keine Altersbegrenzung zu geben, aber ein Bergsteiger Anfänger wird ja auch nicht sofort auf den K2 wollen. Ich zumindest nicht.

Es würde mich sehr freuen, wenn mir das mal jemand vernünftig erklären könnte.

Ein Kung Fu Kämpfer wird erst so ab 65 richtig gut, weil er dann vielleicht die mentale Stärke und die Weisheit entwickelt hat, die notwendig ist, um souveräne Höchstleistungen zu bringen.

Von den großen Vorsokratikern Thales von Milet, Anaximander, Anaximenes habe ich auch nichts über besondere Leistungen in ihrer Jugend gelesen. Oder Sokrates, Plato und viele andere berühmte Philosophen. Bekannt wurden sie erst, als sie ein gewisses Alter, eine gewisse Reife erlangt hatten.

Andrej Tarkowski hat seine besten Filme nicht als junger Mann gemacht, und Götz George hat als Knabe in den Karl May Filmen auch nicht gerade geglänzt. Wohl aber als Schimanski und Fritz Haarmann.

Mag ja sein, dass sich alle Obengenannten schon seit frühester Jugend mit ihrem Metier beschäftigt haben und langsam gewachsen sind, aber woher wollen die Ausrichter von Schreibwettbewerben wissen, auf welchem Stand sich ein ihnen noch unbekannter Mittsechziger befindet?

Ich reiß mich nicht darum, überall teilzunehmen, aber ich finde es merkwürdig, dass ich von vorneherein ausgeschlossen bin.

Wenn es darum geht, Geschichten zum Thema Schweiz zu schreiben, kann ich nur teilnehmen, wenn ich die Schweiz gut kenne. Das akzeptiere ich, aber eine generelle Altersbegrenzung im Vorfeld festzulegen, empfinde ich als Diffamierung.

Nicht, dass mich das jetzt sonderlich berühren würde, oder vielleicht sogar ärgern. Nein, so ist es nicht. Zumindest nicht bei mir. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass Andere das durchaus extremer sehen.

Liebe Ausrichter/-innen: Denkt doch mal drüber nach oder veröffentlicht zumindest eine Erklärung, warum ihr gewisse Altersgruppen ausschließt.

Jung vs Alt – ich empfinde das als ziemlich plump, auf das Wörtchen dumm gehe ich hier lieber nicht genauer ein.

Werfen Sie, verehrte Veranstalter/-innen von Schreibwettbewerben, doch mal einen Blick auf die große Gruppe von jungen Self-Publishern, die sich dem Genre «Fantasy» verschrieben haben.
Da werden Sie schnell fündig.
Fantasy gilt ja fälschlicherweise als einfaches Genre (das zumindest höre und lese ich immer wieder von Neuschreiber/-innen.) Man erfindet und erschafft einfach lustig vor sich hin, Welt für Welt und Held für Held. (Die meisten ähneln sich sehr).

Leider falsch, ganz falsch!

Um eine gute Fantasy-Welt zu erschaffen, sollte man doch zumindest erst mal die Welt, in der man lebt, verstanden und durchdrungen haben. Mag sein, dass das einige Jüngere können, aber die Älteren, mit 50 Jahren Leben und mehr, könnten da eventuell Substanzielleres zu bieten haben.

Ich bin spät mit dem Schreiben angefangen, habe aber mit Sicherheit einen großen Vorteil der jüngeren Generation gegenüber: Ich habe bisher ein sehr spannendes, interessantes und ungewöhnliches Leben geführt, oftmals weitab vom Alltäglichen, habe in den unterschiedlichsten Berufen gearbeitet, kann Toiletten putzen und Unternehmen leiten, war Hausmann und Kindergärtner, wurde schon von bösen Buben mit einer Pistole bedroht, habe Zeiten in Zen-Klöstern verbracht, ein eigenes Theater gegründet, kann Regie führen und selbst auf den Brettern stehn und habe drei Ehen gebraucht, bis ich die Liebe meines Lebens gefunden hatte. Ich glaube mehr Substanz und Erfahrung geht kaum.  Gibt es bessere Grundvoraussetzungen, um über das Leben zu schreiben?

Gerade beim Erfinden von fiktiven Personen bzw. Geschichten dürfte eine große Lebenserfahrung, ein breiter Erfahrungshorizont, von unschätzbarem Wert sein.

Vergessen?
Dann lesen doch mal: Fritz Habeck «Villon, die Legende eines Rebellen»
Diesbezüglich eine aufschlussreiche Lektüre.

Ach ja, es gibt auch Wettbewerbe für Senioren ab 70, aber da muss ich dann noch ein paar Jährchen warten;-)

Naja, sei`s drum.

Ich schreibe mit viel Lebensgenuss und komme auch sehr gut ohne Wettbewerbe klar.

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